Immer revolutionär. Editorial

#15 Immaterielle Arbeit und ihr Material, Frühling 2009

Immaterielle Arbeit ist nicht nur das, was früher Dritter Sektoroder die Reproduktion genannt wurde. Auch ganz fundamentaleKommunikation ist immaterielle Arbeit. Glaubt man postoperaistischen Intellektuellen wie Michael Hardt, Antonio Negri oder Maurizio Lazzarato, hat sich auch der soziale Stellenwert immateriellerArbeit enorm gewandelt: Sie ist zur hegemonialen Form von Vergesellschaft und Produktion geworden. Charakteristika, die ehedem vor allem künstlerischen Lebensformen zugeschrieben wurden – die spezifische Verwertung intellektueller Fähigkeiten,kommunikative Netzwerke, „Kreativität“, vielleicht sogar... mehr

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Künstlerische Positionen: Immaterielle Arbeit und ihr Material

Künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare undReflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen

Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen. Poster und Rückseite: Stefanie Seibold Bildstrecke: Anna Artaker Anna Artaker beschäftigt sich mit Bildproduktion im Dienstvon „Geschichtsschreibung“. Es geht um das Verhältnis der Fotografie zu ihrem Gegenstand, d.h. zu der Realität, auf die dasFoto verweist (und die es –...mehr

Was ist immaterielle Arbeit?

Jeder Gegenstand der Erfahrung ist ein Produkt. Er wird durchAkte der Leiblichkeit und des Bewusstseins hervorgebracht. Gegenständliche Erfahrung, ob sie nun mit sinnlich erfassbarer Wirklichkeit oder logischen Formen, ob mit nachvollziehbaren Tatsachen und Umständen oder mit Erzeugnissen der Einbildungskraftzu tun hat, verweist also immer auf ihre eigene Hervorbringung,auf die Leistungen eines teils monadisch agierenden, teils...mehr

Neue (affektive) Arbeit, alte Dualismen

Zur feministischen Kritik am Begriff der „immateriellen Arbeit“

Der Begriff der immateriellen Arbeitnimmt in Michael Hardts und Antonio Negris Theorie-BestsellerEmpire einen zentralen Stellenwert ein. In der Figur des/der immateriellen ArbeiterIn konkretisieren H/N ihre materialistischeOntologie der biopolitischen Produktivität in der Phase der Postmoderne. Sie entwerfen damit eine Anthropologie der Postmoderne, in der sich der Mensch auf spezifische, nämlich kybernetische, von Computertechnologien hergeleitete Weise selbsterschafft....mehr

… die realen Lebensverhältnisse nicht berücksichtigt

Immaterielle Arbeit und ihr Material im Gespräch. Mit Käthe Knittler und Marion von Osten

Bildpunkt: Marion, Du beschäftigst Dich seit mehreren Jahrenmit der so genannten immateriellen Arbeit – sowohl in direktemSinne als Kulturschaffende, als auch auf einer Metaebene alsTheoretikerin. In einem Text von Dir mit dem Titel Kulturelle Arbeit im Post-Fordismus (2001) heißt es, „auch geistige Arbeit undInformation bleibt nicht ‚immateriell’, sondern benötigt ihre Verdinglichung, um in Erscheinung zu...mehr

Should they stay or should they go?

Ein Kärntner Dörfler erzählt einen Kakao-Witz. Er bleibt. Bleibtder Rassist, der er ist, und bleibt im Amt. Was bleibt: Kakao-Witze gehen von Amts wegen in Ordnung. Eine Wiener Hauswandschreit eine rassistische Parole gegen schwarze Menschen. Siebleibt. Bleibt rassistisch. Wie die Menschen, die an ihr vorbeigehen und nicht reagieren. Wie die Ämter, die sich für unzuständigerklären,...mehr

Kaltherzigkeit als Waffe?

Affektive Arbeit, das Erzeugen von Gefühlen in warenförmigenBeziehungen, der Dienst am Menschen im wahrsten und vor allem emotionalsten Sinn des Wortes, ist spätestens seit der breitenRezeption von Michael Hardts und Antonio Negris Empire vielenein Begriff. In der heutigen Dienstleistungsgesellschaft erscheintdie in Empire vertretene These nachvollziehbar, dass eben dieseaffektive Arbeit das Fließband des Fordismus in seiner...mehr

Drin ist, wer hybrid genug ist

Zur Materialität von immaterieller Arbeit und Migration

I. Während das Empire parallel zur Durchsetzung der immateriellen Arbeit bei Michael Hardt und Antonio Negri (1997: 160f.) alstrans- und supranationale Herrschaftsstruktur beschrieben wird,in der der Nationalstaat an Bedeutung verliert, zeigt sich parallelzur Krise des Fordismus eine allgemeine Krise des Nationalstaats,die auf Widersprüchliches hindeutet. Trotz der nicht zu verleugnenden Neubestimmung staatlicher Souveränität im globalenKonkurrenzverhältnis, ist...mehr

Die Internalisierung des Kommandos als Gewohnheit

Autonomie, Erkenntnis, Bewegung

Die Analyse einer Autonomie der ArbeiterInnenklasse, die Mario Tronti 1964 ausarbeitete, wurde später mit einer ganzen Periode und einem Milieu radikaler Politik in Italien identifiziert. Seine Argumentation verlief in etwa so: Während die Kapitalistensich notwendiger Weise des Staates bedienen müssen, um dieSphäre des Klassenkampfes zu betreten, konnten die Kämpfe derArbeiterklasse unabhängig von jeder gegebenen Form...mehr

Immaterielle Arbeit und ihr Material im Buch

Thomas Atzert und Jost Müller (Hg.): Immaterielle Arbeit und imperiale Souveränität. Analysen und Diskussionen zu Empire, Münster 2004 (Verlag Westfälisches Dampfboot). Gruppe Blauer Montag: Risse im Putz. Autonomie, Prekarisierung und autoritärer Sozialstaat, Hamburg 2008 (Assoziation A). Gabu Heindl (Hg.): Arbeit Zeit Raum. Bilder und Bauten der Arbeit im Postfordismus, Wien 2008 (Verlag Turia Kant). Eva...mehr

Kunst- und Kulturpolitik

Freiheit und Prekarität

Vernetzungstag und Symposium. Ein Bericht.

SI.SI. Klockers Dokumentarfilm Die Frau,die Arbeit, die Kunst und das Geld war nichtnur Teil des Programms der VeranstaltungFreiheit und Prekarität, die am 21. und 22.November 2008 in Linz stattfand, sondernsteckt mit seinem Titel auch in etwa denRahmen ab, innerhalb dessen unterschiedlichste Fragen rund um Freiheit und Prekarität zwei Tage lang (gegliedert in einen Vernetzungstag und...mehr

Ein Europäisches Weißbuch (in Arbeit)

Convention Européenne sur le statut des artistes des arts visuels en Europe

Von 15. bis 16. Dezember 2008 fand inParis im Rahmen des Französischen EU-Vorsitzes ein Konvent zur sozialen Situationder bildenden KünstlerInnen in Europa statt,welcher von der französischen KünstlerInnenvertretung La Maison des Artistes organisiertworden war. InteressenvertreterInnen allerEU-Länder waren eingeladen, die Situationder KünstlerInnen in den jeweiligen Mitgliedsstaaten darzustellen und darüber zudiskutieren – mit dem Ziel, die Ergebnissein einem...mehr