Verkehrslärm und gerahmte Stille

#16 Symbolische Barrikaden, Sommer 2009

„Moderne Kunst“, schrieb Brian O’Doherty einst in seinem zum Klassiker gewordenen Galerie-Aufsatz In der weißen Zelle, „bedarf zu ihrer Legitimation des Verkehrslärms draußen.“ Die Stadt sei der unverzichtbare Kontext der Galerie. Und einer Vielzahl künstlerischer Arbeiten und ihrer Wertschätzung. Der Lärm der Straße gibt zugleich das unbedingte Rauschen hegemonialer Verschiebungen ab, in das sich die KunstflüstererInnen aller Länder mit ihrem Abschätzen und Urteilen wieder einspeisen. Kunstorte sind local players in den Städten, die Städte sind umkämpfte Räume.

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Drei künstlerische Positionen: Symbolische Barrikaden

Künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen. Poster: Fred Forest Rückseite: permanent breakfast Bildstrecke: Community Museum Project Hongkong Fred Forests Aktion le blanc envahit la ville (Das Weiß stürmt die Stadt), der das Mittelposter dieser Ausgabe gewidmet ist, fand 1973 in São Paolo statt. Während der...mehr

Städte als Gegenstände und Schauplätze hegemonialer Kämpfe

Was ist die Stadt? Welche Ansprüche soll sie erfüllen? Nach welchen Kriterien lässt sich entscheiden, was „richtige“ und „gute“ Stadtpolitik ist und wie sich die Stadt legitimerweise nach außen und nach innen präsentieren soll? Solche Fragen haben eine lange Tradition, sie sind, könnte man sagen, so alt wie die Stadt selbst, und genauso alt sind...mehr

Städtische Gouvernementalität

Folgt man Michel Foucault, so stellen Städte und die sozialen und politischen Fragen, welche von den großen Städten seit der Moderne aufgeworfen wurden, eines der originären Probleme für das Regieren von Bevölkerung dar. „Die Stadt“, schreibt Foucault, stand gar am Anfang der Herausbildung jener modernen Regierungs- und Machttechnologien, die er als Gouvernementalität bezeichnet. Foucault verwendet...mehr

… Kontrolle und Mobilitätskanäle unterbrechen

Symbolische Barrikaden im Gespräch mit Anette Baldauf und Maja Lorbek

Städte sind umkämpfte Räume. Kaum etwas symbolisiert dies so wie Barrikaden – die in sozialen Auseinandersetzungen wie dem Pariser Mai ’68 selbst vor allem als Verweissysteme auf andere Barrikaden, die der Pariser Commune 1871, fungiert haben. Symbolisch nennen wir die Barrikaden aber nicht nur, weil sie immer auch für etwas anderes stehen, sondern weil es bei urbanen Kämpfen um das Symbolische im Sinne Pierre Bourdieus geht, also um Denk-, Wahrnehmungs- und Gefühlsschemata. Symbolische Barrikaden sind Ziel und Ausdruck von Kämpfen und deren Verweisen.

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Mein Einkaufszentrum

Wenn davon ausgegangen werden kann, dass Signale irgendwie entstehen und gesteuert werden, dann kann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit auch davon ausgegangen werden, dass diese Signale irgendwo auch ankommen und von irgendjemandem auch bemerkt werden. Die Entstehung von Signalen geschieht in Zeit und Raum und hatte sich irgendwann einmal materialisiert. Genauso ist es auch mit Erarra...mehr

Marginalisierte Körper in der neoliberalen Stadt

Kleine, große, eckige und runde Körper bewegen sich durch die Stadt. Dieser Text handelt jedoch davon, dass und wie die neoliberale Stadt in besonderer Weise marginalisierte – und damit zusammenhängend auch normalisierte – Körper produziert. Die neoliberale Stadt ist Ausdruck einer veränderten Verwertungslogik des Kapitalismus. Ihre Kennzeichen sind der Standortwettbewerb und die damit einhergehende ‚Vermarktung‘...mehr

Kunst im Stadtraum und die Politisierung der imaginarios urbanos in lateinamerikanischen Großstädten

Das soziale Leben und die intersubjektive Funktion des ästhetischen Denkens im Innneren der gegenwärtigen Städte zu erforschen, kann nicht mit geschlossenen und säuberlich abgegrenzten Disziplinen wie der Soziologie, der Wahrnehmungstheorie, dem Urbanismus, der Sozialgeographie oder der Kunstanthropologie geschehen. Das wird insbesondere dann deutlich, wenn das ästhetische Denken nicht länger einfach als ein Wahrnehmungsdiskurs verstanden, sondern...mehr

Kolonialität und Kommodifizierung im Zentrum

Kulturerbe und urbane Erneuerung in Lateinamerika

Kultur wird zunehmend als zentrales Element bei städtischen Entwicklungsstrategien betrachtet. So versuchen Städte über Stadtmarketing und Branding ein kulturelles Alleinstellungsmerkmal zu produzieren, gerade auch um sich im (globalen) Wettbewerb gegen andere Städte durchzusetzen. Auch wird Kultur zu einem immer wichtigeren Bestandteil städtischer Ökonomien. Dies entspricht dem generellen Trend der zunehmenden Ent-Differenzierung von Ökonomie und Kultur...mehr

Symbolische Barrikaden im Buch

Lorenz Aggermann / Eduard Freudmann / Can Gülcü: Beograd Gazela. Reiseführer in eine Elendssiedlung, Klagenfurt/Celovec 2008 (Drava Verlag). Anette Baldauf: Entertainment Cities. Stadtentwicklung und Unterhaltungskultur, Wien / New York 2008 (Springer Verlag). Bavo (Hg.): Urban Politics Now. Re-Imagining Democracy in the Neoliberal City, refelct #6, Rotterdam 2007 (NAi Publishers). Anne Becker / Olga Burkert /...mehr

Kunst- und Kulturpolitik

1. Mai 2009 – ein neues Datum für die Linzer Stadtgeschichte!

Der 1. Mai, der Kampftag der Arbeiter_innen! Kämpferisch ist er normalerweise nicht in Linz. Eigentlich ist er immer ein Familienfest: Die Sonne scheint, trotz Feiertag sind früh am Morgen schon zahlreiche Parteien und Gruppen unterwegs, um an diesem historischen Datum Rechte für Arbeiter_innen und Prekarisierte zu fordern. Der 1. Mai 2009 wurde in Linz allerdings...mehr

Workfare – oder die Zurichtung der Einzelnen auf die Erfordernisse des Marktes

Der Umbau der Arbeitsmarktpolitik ist seit Jahren ein Schwerpunkt jeglicher Realpolitik – insbesondere auch in jenen Teilen der Welt, die zu den Reichsten gehören. Die allerorts beobachtbare Beschleunigung von Entgrenzungsprozessen am Arbeitsmarkt – u.a. die Umwandlung vormals regulärer Anstellungen mit entsprechendem arbeitsrechtlichen und sozialversicherungstechnischen Begleitschutz in Transitarbeitsplätze, freie DienstnehmerInnen, geringfügige Beschäftigungsformen, neue Selbstständigkeiten usw. –...mehr