Das Dokument als Waffe

#14 Die Macht des Faktischen, Winter 2008/2009

In Österreich hatten bürgerliche Feministinnen die Macht des Faktischen früh für ihre Zwecke in Beschlag genommen: Dokumente der Frau hieß eine von 1899 bis 1903 erschienene Zeitschrift, in der Frauenrechtlerinnen wie Marie Lang, Auguste Fickert und Rosa Mayreder gegen die Diskriminierung ihrer Geschlechtsgenossinnen anschrieben. Wie selbstverständlich standen die Dokumente schlechthin im Dienste der Emanzipation. So war das Dokument über das ganze 20. Jahrhundert hinweg den Bewegungen von Marginalisierten tatsächlich von großem Nutzen: Es half, verborgene Geschichte auszugraben, verdrängte Wahrheiten... mehr

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Drei künstlerische Positionen: Die Macht des Faktischen

Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen. Poster: Anita Witek Rückseite: Tim Sharp Bildstrecke: Sanjay Kak / Itu Chaudhuri Die Bildstrecke dieser Ausgabe entspringt einer Installation, die der indische Künstler und Dokumentarfilmer Sanjay Kak gemeinsam mit dem Designer Itu Chaudhuri bei der Manifesta 7 zeigte. Anhand...mehr

Wie sozialdokumentarische Fotografie lukrativ und schön scheitert

Der Begriff des Dokumentarischen impliziert, so er als ein selbst auferlegter Anspruch bei der Produktion visueller Artefakte in Erscheinung tritt, ein ethisches Moment. Er beinhaltet, wenn wir uns nicht in den Niederungen sogenannter Doku-Soaps bewegen wollen, die Forderung nach Einhaltung bestimmter Kriterien bei der Erarbeitung bildlicher Repräsentationen, die sich an Kategorien der Wahrhaftigkeit, der Genauigkeit,...mehr

Der andere Blick

Das Werk der anarchistischen Fotografin Kati Horna im Spanischen Bürgerkrieg (1936–1939)

Der Spanische Bürgerkrieg (1936–1939) war gewiss nicht der meistfotografierte Krieg des 20. Jahrhunderts. Dafür aber war er der Krieg, in dem ein Foto von der Aragón-Front, veröffentlicht in einem europäischen Massenblatt, die Politik ganzer Staaten beeinflussen konnte. Wenn der Vietnamkrieg „der erste Fernsehkrieg der Geschichte“ war, so war der Spanische Bürgerkrieg der „Krieg der FotografInnen“....mehr

Die Wirklichkeit behaupten …

Die Macht des Faktischen im Gespräch. Mit Isa Rosenberger und Doron Rabinovici

Unter dem Titel Die Macht des Faktischen möchten wir mit dem Bildpunkt Fragen nach einer Politik der Wahrheit stellen. Das Dokumentieren ist eine Praktik par excellence, wenn es um die Schnittstellen von Kunst und sozialen Bewegungen geht: Verhältnisse der Ungerechtigkeit werden aufgezeichnet und gesammelt, um sie öffentlich, sichtbar und angreifbar zu machen. Vom Realismus des...mehr

Authentische Schwielen

Es wurde gerade eine Galerie nach der anderen eröffnet. Der Überblick war nicht mehr da. Statt der alten drei, gab es jetzt mindestens 30. Alle neu. Alle sehr eigen. Zu der Zeit identifizierte sich Mirko Bajs mit ArbeiterInnen. Den richtigen ArbeiterInnen. Es war also nicht sehr überraschend, dass er eine Galerie der ArbeiterInnen eröffnete. In...mehr

Verbildlichen trotz allem

Leonor Arfuch skizziert und kommentiert die Debatte, die sich im Anschluss an das Auftauchen von vier Fotos aus dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau zwischen einigen Intellektuellen in Frankreich entspann. Die Fotos waren von Mitgliedern des Sonderkommandos, also von Häftlingen selbst, aufgenommen und aus dem Lager geschmuggelt worden. Sie wurden 2001 in der Ausstellung Mémoire des camps. Photographies...mehr

Wer hat Angst vor der Wirklichkeit?

Wenn von dokumentarischen Strategien in Ausstellungen zeitgenössischer Kunst die Rede ist, dann stehen zumeist Fragen der Repräsentation sowie der Authentizität, abgehandelt an einzelnen künstlerischen Positionen, im Vordergrund. Doch abgesehen davon, auf welche Weise Wirklichkeit von KünstlerInnen wiedergegeben wird, und ob dies mit gängigen gesellschaftlichen Protokollen von Echtheit übereinstimmt, ist es interessant zu verfolgen, welche Auswirkungen...mehr

(Post-)koloniale Praxen des Aufzeichnens

Zehn Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges und des NS-Regimes und vor dem Hintergrund der beginnenden Dekolonialisierung afrikanischer Staaten, kommt 1955 der österreichische Film Omaru – Eine afrikanische Liebesgeschichte (Regie: Albert Quendler), der 1954 während einer zehnmonatigen Expedition im kolonialen Kamerun gedreht wurde, in die österreichischen Kinos. In der zeitgenössischen medialen Rezeption wird Omaru als...mehr

Die Macht des Faktischen im Buch

Georges Didi-Huberman: Bilder trotz allem, München 2007 (Wilhlem FinkVerlag). Frits Giersberg, Maartje van den Heuvel, Hans Scholten und MartijnVerhoeven (Hg.): Documentary Now! Contemporary strategies in photography,film and visual arts, Rotterdam 2005 (NAi Publishers). Karin Gludovatz / Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (Hg.):Auf den Spuren des Realen. Kunst und Dokumentarismus, Wien 2005 (Verlag für moderne...mehr

Kunst- und Kulturpolitik

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Studie zur sozialen Lage unter Verschluss

30% der Künstler*innen haben keine durchgehende Pensionsversicherung, 14,7% keine durchgehende Krankenversicherung. Insgesamt 74,9% verdienen mit der Kunst weniger als 10 000 Euro jährlich. Nur eine von vier Künstler*innen ist ausschließlich künstlerisch tätig. Das künstlerische Einkommen von Frauen ist trotz höherem Ausbildungsgrad, größerer Weiterbildungsaktivität und stärkerer Vernetzungen um 35% niedriger als jenes ihrer Kollegen. Letztlich sind...mehr

Bleiberecht für alle! Bewegungsrecht für alle!

Und eine Straßenbahnbesetzung in Linz

Marty Huber: maiz (autonomes Zentrum von und für Migrantinnen) hat sich ja immer wieder einen Namen gemacht mit Interventionen im öffentlichen Raum. So auch anläss lich des Bleiberechtstages am 10. Oktober 2008. Was habt ihr denn gemacht? Radostina Patulova: Das war eine Intervention in Linz, die in Zusammenarbeit von maiz und mehreren migrantischen Selbstorganisationen (ADA,...mehr