Ein Kärntner Dörfler erzählt einen Kakao-Witz. Er bleibt. Bleibtder Rassist, der er ist, und bleibt im Amt. Was bleibt: Kakao-Witze gehen von Amts wegen in Ordnung. Eine Wiener Hauswandschreit eine rassistische Parole gegen schwarze Menschen. Siebleibt. Bleibt rassistisch. Wie die Menschen, die an ihr vorbeigehen und nicht reagieren. Wie die Ämter, die sich für unzuständigerklären, überfordert zeigen oder auf eine Prioritätenliste verweisen. Wie die PolitikerInnen, die nicht erkennen, dass es hierbeium eine grundsätzliche Positionierung geht und nicht um stimmentaktisches Befriedigen von Interessen potentieller WählerInnengruppen.
Der praktische Umgang mit rassistischen Beschmierungen brauchteine grundsätzliche Entscheidung: Sollen sie bleiben (weil sie Indikatoren einer österreichischen Befindlichkeit sind) oder sollensie entfernt werden (weil sie unerträgliche Angriffe auf BewohnerInnen dieser Stadt sind). Für beide Varianten gibt es politischeArgumente jenseits von Bequemlichkeit und Pragmatismus. Dierassistische Wahrheit ist den WienerInnen zumutbar, könnte dieeine lauten, und dass die Entfernung der Hetzparolen auf derHauswand die Gesinnung in den Köpfen nicht verändert, imGegenteil, diese sogar vergessen macht. Bleibt unterm Strich,dass schwarze Menschen weiterhin täglich beleidigt werden.Drum gilt für meinereiner: Die müssen weg, diese Parolen. Dennwenn einer xenophoben Hetze nicht einmal auf dieser Ebene widersprochen wird, ist von tiefergreifenden Gegenmaßnahmennicht auszugehen.
Auf sie, mit Gebrüll. Denn die Entfernung rassistischer Parolenvon Hauswänden läuft andernfalls tatsächlich Gefahr, demDienstleistungsparadoxon zu entsprechen: Die Arbeit materialisiert sich nur negativ, also wenn sie nicht verrichtet wird. Denndann sind die Wände voll mit Dreck und Schimpf und Schande.Diese Sichtweise unterschlägt allerdings, dass auch der Akt desAktiv-Werdens öffentlich und politisch wirksam werden kann.Wenn die Beschmierungen nicht wie von Geisterhand weggezaubert werden, sondern dokumentiert, thematisiert, diskutiert unddann als finale Stufe sichtbar entfernt würden, hätte dies einebeispielhafte Wirkung. Die Beschmierungen müssen weg. Wasbleibt, ist die Verantwortung, die politische Diskussion zu führen.
Apropos Beispiel: Die USA haben einen afro-amerikanischen Präsidenten, der weltweit ein verändertes Rollenverständnis unterschwarzen Menschen herstellt. In Österreich gibt es die InitiativeBlack Austria, die mit enormem Engagement und ohne finanzielle Eigenmittel mittels Plakatkampagnen neue Bilder schwarzer Menschenin Österreich vorgestellt hat. Black Austria war auch ein Barometerdafür, wie sehr in Österreich die Notwendigkeit einer Korrektur vonKlischeebildern wahrgenommen wurde: Anfang 2009 musste die Kampagne aufgrund fehlender finanzieller Unterstützung eingestellt werden. Was bleibt, ist der Kakao, in dem jeder Ansatz einer politischenKultur ersäuft wird. Ein Witz.
Markus Wailand ist Mitgründer des Dokumentarfilmkollektivs pool-doks und lebt in Wien.
