Und gegen sie leben.

#22 smrt postnazismus, Frühling 2011

Reden wir von Postnazismus, meinen wir die Kontinuitäten nach dem Bruch von 1945. Im Sinne der Fortdauer nach einer Zäsur wird das Präfix „Post“ im kulturtheoretischen Sprachgebrauch ja meist verwendet. Es geht aber nicht nur um Theorie. Als Reaktion auf die Bildpunkt-Ausgabe zwei, drei, viele … achtundsechzig (Frühjahr 2008), die ich meinem früheren Kunstlehrer Uwe Schröder geschickt hatte, bekam ich eine Mail von ihm. Sicher habe „1968“ auch mit lateinamerikanischer Befreiung und dem antikolonialem Afrika zu tun gehabt, aber, schrieb er dann: „Was mich angeht, … die drei von der Tankstelle... mehr

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Drei künstlerische Positionen: smrt postnazismus

Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Poster: Plattform Geschichtspolitik Rückseite: Michaela Melians Bildstrecke: Eva Dertschei und Carlos Toledo Das Mittelposter ist diesmal von der Plattform Geschichtspolitik – einer Initiative von Student_innen, Aktivist_innen und Lehrenden, die der Akademie der bildenden Künste Wien nahe stehen. Ziel des offenen Kollektivs ist, einen kontinuierlichen Prozess zu evozieren, in dem die Teilhabe der Akademie an Kolonialismus,...mehr

Visuelle Geschichtspolitiken im öffentlichen Raum

Eine Reflexion über künstlerische Strategien der Erinnerung im Postnazismus

Die Verbrechen der Nazis werden heute im öffentlichen Raum immer wieder anhand von künstlerischen Interventionen offiziell zum Thema gemacht. Dabei findet allerdings nicht selten eine Form der Erinnerung als Entledigung (durch Parallelisierung mit anderen Verbrechen, Überidentifikation mit den Opfern, Identitätsstiftung durch Erinnerungsstolz, Ausschluss von MigrantInnen etc.) statt. Die Auseinandersetzung mit der Verbrechensgeschichte kann sogar selbst...mehr

Geschichtspolitik als politisches Handlungsfeld

„We publish while others perish“, monierte Howard Zinn im ersten Kapitel seines 1970 erschienen Buches The Politics of History. „Let all social scientists work on modes of change instead of merely describing the world that is.“ Der 2010 verstorbene Doyen der systemkritischen politischen Geschichtsschreibung in den USA ließ keinen Zweifel offen, wen er mit dieser...mehr

… ist diese Subversion weiterhin dringend nötig

smrt postnazismus im Gespräch mit Bini Adamczak und Aljoscha Weskott

Diese Ausgabe des Bildpunkt titelt mit smrt postnazismus und versammelt künstlerische, aktivistische, kuratorische und theoretische Positionen, die nationale Erinnerungen herausfordern. Dabei geht es auch um die Frage, wie sich die Erinnerung an die Shoah, den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg in der postnazistischen Gesellschaft repolitisieren lässt. Das Präfix postbezeichnet hier in Analogie zum Postkolonialismus nicht das Vergangene an der Geschichte, sondern vielmehr deren Kontinuitäten nach dem Bruch.

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Von Revanche zur Gegengabe

Elisabeth Scharangs österreichisch-ungarische Holocaust-Kinofarce Vielleicht in einem anderen Leben

April 1945 über Niederösterreich: Ein US Air Force-Pilot wirft Kaugummipapier aus seinem Cockpit; es segelt zur Erde, in die Hand eines jener ungarischen Juden, die grade von SS und Dorfleuten nach Mauthausen getrieben werden. Ähnlich wie Forrest Gump (mit seiner Feder) beginnt Vielleicht in einem anderen Leben mit der Doppelung von Wunder und „geworfener“ Materie...mehr

Geschichtsbeziehungen in Bewegung

Erinnerungsbildung in postnationalsozialistischen Migrationsgesellschaften

Erinnerung steht in einer Beziehung zu geschichtlichen Erfahrungen, zu etwas, das nicht mehr verbessert oder wieder hergestellt werden kann, zu einem Verlust, zu Opfern und Täter_innen und den Grauzonen dazwischen. Zugleich muss sich Erinnerungsarbeit auf gegenwärtige Dynamiken beziehen, will sie nicht zu einer Veranstaltung werden, bei der Geschichte als etwas erscheint, das einmal gewesen ist...mehr

Nachdenken über Nazismus und Shoah als SchülerIn in der postnazistischen Migrationsgesellschaft

Wie wird Geschichte gemacht? Was wird erinnert? Was vermittelt? Was verschwiegen? Und welche Tradierungen haben welchen Raum, besonders in schulischen und Vermittlungskontexten? Wie kann ich über etwas nachdenken, wenn mein Denken schon so geformt ist von Bildern aus der Perspektive der TäterInnen? Gibt es Verbindungen zwischen 2. Weltkrieg und Balkankrieg? Wie ambivalent ist Assimilation? Welche...mehr

smrt postnazismus im Buch

Dan Diner: Gegenläufige Gedächtnisse. Über Geltung und Wirkung des Holocaust, Göttingen 2008 (Vandenhoeck und Ruprecht Verlag). Stephan Grigat (Hg.): Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus, Freiburg 2006 (Ça Ira Verlag). kittkritik (Hg.): Deutschlandwunder. Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur, Mainz 2007 (Ventil Verlag). Alexandra Reininghaus (Hg.): Recollecting. Raub und Restitution, Wien...mehr

Kunst- und Kulturpolitik

Vom Servicezentrum bei der SVA zur SVA als Servicezentrum

Oder: Wie steht es mit dem Prozess zur Verbesserung der sozialen Lage der Kunstschaffenden?

Jetzt sind sie also in Kraft (seit 1. 1. 2011), die ersten Gesetzesnovellen, die auf der Arbeit der interministeriellen Arbeitsgruppe (IMAG) zur Verbesserung der sozialen Lage der Kunstschaffenden beruhen: Das Künstler_innensozialversicherungs-Strukturgesetz (KSVSG) bzw. das Theaterarbeitsgesetz (vormals Schauspieler_innengesetz). Zwei kleine Bausteine, die noch nicht viel mit der Verbesserung der Einkommen der Kunstschaffenden zu tun haben und...mehr

Im Bürgerkrieg des 21. Jahrhunderts

Oder: Der Betrug des sozialen Friedens.

Angesichts der unaufhaltsamen Steigerung des „weltweiten Bürgerkriegs“ gegen verschiedenste Formen des Aufbegehrens entwickelt sich jener immer mehr zu einer schlechten Farce unserer Zeit. Eine Zeit, die mittlerweile fast schon zwei Jahrhunderte andauert und deren Kalkül Oscar Wilde sehr zynisch traf und später Karl Kraus in der Fackel wieder aufgriff. „Wenn man die Geschichte erforscht, […]...mehr

MayDay! MayDay!

Let’s organize the parade 011

2008 hat zum vierten – und bisher letzten Mal eine EuroMayDay-Parade mit rund 4 000 Teilnehmer_innen in Wien stattgefunden. Anfangs gab es den Anspruch, den 1. Mai als Kampftag neu zu etablieren und den EuroMayDay als Initialzündung für eine breitere Organisierung von Widerstand rund um das Thema „Prekarisierung“ auch über den 1. Mai hinaus zu...mehr