Solidarische Ökonomie und Kunst.

#23 anders handeln, Sommer 2011

Der Kunstmarkt ist ein typischer Winner-takes-all-Markt: enormes Preisgefälle bei geringen oder gar nicht vorhandenen Leistungsunterschieden, extreme Ungleichheit der Einkommen, äußert voraussetzungsreiche Teilnahmebedingungen, hochexklusiv und selektierend bis zum Abwinken. Nur dass niemand abwinkt, weil noch die kleinste Teilhabe symbolischen Profit verspricht. Viele buttern rein – Ausbildungskosten, Kreativität, Hoffnungen – und wenige kassieren ab, nur zwei bis fünf Prozent aller KunsthochschulabsolventInnen können überhaupt von Kunst leben. Solidarische Ökonomie ist etwas anderes. Das ganze... mehr

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Drei künstlerische Positionen: anders handeln

Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Poster: Maria Eichhorn Rückseite: Agnes Achola Bildstrecke: Mansour Ciss Die Bildstrecke besteht diesmal aus AFRO-Scheinen – einer Währung, die der Künstler Mansour Cissin den letzten Jahren gemeinsam mit Baruch Gottlieb entwickelt und in Umlauf gebracht hat. „Geld ist ein Medium“, schreiben die Künstler. „Jeder kennt Geld. Jeder weiß, dass Geld einen Wert hat. Wenn jemand...mehr

Wer malt uns eine andere Zukunft aus? Kunst und alternative Ökonomien

Schon der Titel hat Seltenheitswert: Economics and Utopia von Geoffrey Hodgson, erschienen 1999, bringt zwei Begriffe zusammen, die üblicherweise keine enge Beziehung unterhalten. In seinem Buch kritisiert der Ökonom sowohl Sozialismus als auch neoliberalen Marktindividualismus als Blaupausen-Utopien, die jeweils bestimmte Systemeigenschaften verabsolutieren (die einen den Staat, die anderen den Markt), und dabei ausblenden, dass jede...mehr

Solidarische Ökonomie 2011

Gähn. Das ist eine häufige Reaktion auf das Stichwort „solidarisches Wirtschaften“. Die einen verbinden damit ländliche Gemeinschaften, in denen alle das Klo aus Liebe putzen, die anderen lateinamerikanische Frauen, welche mit dem Basteln halbsinnvoller Gegenstände etwas Geld verdienen. Doch heute zeichnen sich offene Formen solidarischen Umgangs miteinander ab, die sich der Geld- und Tauschlogik verweigern...mehr

… und auf solidarische Beziehungen hinzuarbeiten.

Anders Handeln im Gespräch mit Raven Dérive und Kai Radic (W.E.G.) und Ruth Kaaserer

Alternative und Solidarische Ökonomie ist vielfältig und in aller Munde: Vom Staaten übergreifenden Mega-Projekt ALBA bis zum Kostnix-Laden von nebenan werden Projekte betrieben, Nischen gesucht und Gegenmodelle zum neoliberalen Kapitalismus diskutiert. Derweil zählt der Kunstmarkt zu den ungerechtesten Märkten überhaupt, hohe Gewinnspannen für wenige, prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen für die meisten machen ihn aus. Dennoch...mehr

Befolgen Sie auf keinen Fall die Anweisungen …

Letzte Nacht wurde dem Antirassismus wieder ein Gender gestohlen. Die Nebenwirkungen können verheerend sein. Die Meinung, Gender könne Antirassimus betäuben und zu erheblichen Handlungseinschränkungen führen, in seltenen Fällen auch zum Tod antirassistischer Handlungsfähigkeit, ist weit verbreitet. Wenn Gender vergessen werden will, wenn am Geschlechterprinzip gescheitert werden will, dann kann das aber auch missverstanden werden. Diesmal...mehr

Grauzonen des Handelns

Sonntag Vormittag auf der Terrasse eines hip-alternativen Cafés in Echo Park, Los Angeles: Zwei „Produzenten“ im sportlichen Fahrraddress ruhen sich nach ihrem Morgentraining bei einer Tasse Kaffee aus. Sie unterhalten sich über Gott und die Welt, als einem der beiden plötzlich einfällt, was er vor Kurzem über ein lokal ansässiges Künstlerkollektiv gehört hat: Dass diese...mehr

Bildung – Wissensproduktion – Solidarische Ökonomie

Viele Bäuerinnen hatten ein profundes Wissen über die Gesundheit von Mensch und Vieh, das sich auf den gesamten Lebenszyklus erstreckte. Sie tauschten das Wissen über Kräuter, Ernährungs- und Behandlungsmethoden mit den Hirten aus, um die Tiere gesund zu halten und halfen sich gegenseitig, bei Geburt, Krankheit und Tod. Dieses solidarisch angewandte, über Generationen erlangte Erfahrungswissen...mehr

Time/Bank

Informelle Ökonomie im kulturellen Feld

Time/Bank ist ein Projekt, das ich kürzlich in Zusammenarbeit mit Anton Vidokle begann, mit dem ich gemeinsam das e-flux journal herausgebe. Time/Bank ergab sich aus unserem langjährigen Interesse für Praktiken und Zirkulationsmechanismen der Selbstversorgung (wir haben früher bereits an Projekten wie dem Pawnshop, einer Pfandleihe für Kunst, und dem e-flux Video-Verleih gearbeitet). Unser Anliegen ist...mehr

Anders Handeln im Buch

Dagmar Embshoff / Sven Giegold (Hg.): Solidarische Ökonomie im globalisierten Kapitalismus. Hamburg 2008 (VSA). Piroschka Dossi: Hype! Kunst und Geld. München 2007 (dtv). Pascal Gielen / Paul De Bruyne (Hg.): Being an Artist in Post-Fordist Times. Rotterdam 2009 (NAi Publishers). Friederike Habermann: Halbinseln gegen den Strom: Anders leben und wirtschaften im Alltag. Sulzbach/Taunus 2009 (Ulrike...mehr

Kunst- und Kulturpolitik

mobil und sozial abgesichert

In Kooperation mit der Vertretung der Europäischen Kommission in Berlin war die IGBK (Internationale Gesellschaft der Bildenden Künste), ein Dachverband von Verbänden bildender Künstler/innen in Deutschland, auf Initiative der IGBK-Vorstandsmitglieder Annemarie Helmer-Heichele und Werner Schaub am 16. und 17. November 2010 Gastgeberin des Expert/innenworkshop Social Security of Visual Artists in Europe. Im Mittelpunkt standen die...mehr

MayDay als Ereignis nicht nur am 1. Mai

Fest, Kampfansage, Spaziergang, Alarmsignal –das alles und mehr war die MayDay!Parade 2011. Nach zwei Jahren Prekarität ohne Parade sammelten sich am 1. Mai wieder prekärLebende und Arbeitende, um prekär zu kämpfen und prekär zu tanzen. Treffpunkt war der Wallensteinplatz, wo das HipHop-Duo EsRaP & Enes einen energetischen Startschuss setzte. Am Augarten vorbei, wo das widerständige...mehr

Von der Ruhe vor dem Sturm

Erste Fakten zur Praxis mit dem Künstler_innensozialversicherungsstrukturgesetz

Seit 1. 1. 2011 sind erste, in den Interministeriellen Arbeitsgruppen (IMAG) erarbeiteteGesetzesnovellen in Kraft. Wie steht es nun um erste Erfahrungen? „Bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft wird für alle Kunstschaffenden (…) ein KünstlerInnen-Servicezentrum (…) eingerichtet.“, heißt es im Gesetzestext. Dass diese Vorgabe damit erfüllt sein soll, dass sich die Sozialversicherungsanstalt der Gewerblichen Wirtschaft (SVA)...mehr