Alles und das Ganze. Editorial

#07 Alles Für Alle!, Frühling 2007

„Wir wollen alles“ hieß es im jugendlichen Überschwang bei Nanni Balestrini, die Ansprüche der kämpferischen späten 1960er Jahre auf den Punkt bringend. Auch wenn in den Jahren darauf immer unklarer wurde, wer dieses „wir“ wohl sein könnte und immer seltener proklamiert wurde, dass es um „alles“ ginge, blieben kollektive Identitäten und universelle Ansprüche doch Dauerbrenner in den Auseinandersetzungen um künstlerische Produktion und politischen Aktivismus. Erstmals erscheint eine Ausgabe des Bildpunkt zum Thema einer Ausstellung. Die bis zum 2. März 2007 in der Galerie IG Bildende Kunst (Wien) zu sehende... mehr

Beitrag teilen

Alles für alle in Buch und Netz

Falling Down Records: http://projekte.free.de/bankrott/fdr.html www.linke-t-shirts.de/index61137.htm María do Mar Castro Varela und Nikita Dhawan: Postkoloniale Theorie. Eine kritische Einführung, Bielefeld 2005 (transcript Verlag). Paul Gilroy: Against Race. Imagining Political Culture Beyond the Color Line, Cambridge, Ma. 2001 (Belknap Press of Harvard University Press). Luz Kerkeling: La Lucha Sigue! Der Kampf geht weiter! EZLN – Ursachen und...mehr

Für die Menschlichkeit und gegen den Neoliberalismus

Frequenzen des zapatistischen Widerstands

Das Treffens für die Menschlichkeit und gegen den Neoliberalismus Anfang Januar dieses Jahres, das die Zapatistische Armee zur Nationalen Befreiung (EZLN) im Rahmen der Sechsten Deklaration aus dem Lakandonischen Urwald einberufen hat, ist eine politische Initiative von globaler Tragweite. Nach 13 Jahren ihrer öffentlichen Existenz stellt sich die bewaffnete indigene Bewegung aus Chiapas/Mexiko damit den...mehr

Sendungsbewusstsein und Legitimation

Über Allianzen zwischen Kunst und Aktivismus

Demokratie als Prozess war eine Ausstellung im öffentlichen Raum in zwei Kleinstädten in Thüringen, die gemeinsam mit Vera Lauf und mir, der Initiative N.O. – für ein gewaltfreies Miteinander vor Ort und Studierenden der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig entwickelt wurde.1 Die Ausstellung war weder von einer Kunstoder Kulturinstitution angeregt oder initiiert worden,...mehr

Was wir verteidigen, verteidigen wir für alle

Spuren einer Geschichte in Bewegung

Die Geschichte der Protestbewegung der Intermittents du spectacle ist lang. Sie dauert bereits seit dem 27. Juni 2003 an und weist noch weiter zurückreichende Spuren auf. Es geht um eine Geschichte mit verschiedensten Dimensionen und es scheint mir kaum möglich, ihre ganze Intensität und ihren Reichtum wiederzugeben. Ich möchte diese Geschichte daher von dem speziellen...mehr

Semantische Fülle

Erster Gedanke: Alle für einen. Einer für alle. Da flossen auch Tränen! Als es noch Ehre gab. Alle anzeigen. Ja nicht schlapp werden. Jetzt geht es um Würde. Eine Welt für alle. Von wem? Für einige? Arbeit für alle. Danke, eigentlich … Nein! Auserwählte? Hochgradige Vagheit durch Unbestimmtheit der Prädikationen. Sicherheit für alle. Hochgradige Vagheit...mehr

Nicht im Einklang.

„Nichts für uns. Alles für alle!“ im Gespräch. Mit Belinda Kazeem und Ulrike Müller

Der zapatistische Slogan „Nichts für uns. Alles für alle!“ wird in dieser Ausgabe u.a. als Zurückweisung von Identitätspolitiken interpretiert, als Form eines „strategischen Universalismus“. Bildpunkt: Belinda, mit der Recherchegruppe zu Schwarzer österreichischer Geschichte warst Du auch am Ausstellungsprojekt remapping mozart beteiligt. Wie der Untertitel des Projektes schon sagt, ging es dabei darum, „verborgene Geschichte/n“ freizulegen...mehr

Kwir(r) = Pervers!

Als Sandwich besteht diese Bestellung eines „Kwir(r) = Pervers!“ aus einer trockenen äußeren Kruste, ein klein wenig Scharfem, einer schwer erkennbaren, jedoch leckeren Sauce, etwas würzigem Käse, einer Melange von zarten und bitteren Salatblättern, einer saftigen Scheibe Fleischtomate, und einem selbstgemachtem Kräuter-Nuss-Zitronen-Pesto. Voilà! Wer hat jetzt Lust auf Kwir(r) = Pervers! bekommen? (Außen die trockene...mehr

Alles für alle!

Postmoderner Universalismus, die Zapatistas und Anarchokommunismus für die Shopping-Mall

„Aus unserer Stimme spricht die Stimme der anderen, derer die nichts besitzen, der zum Schweigen und zur Unwissenheit Verurteilten, der durch die Überheblichkeit der Mächtigen von ihrem Land und ihrer Geschichte Vertriebenen … Wir werden fordern, was gerecht ist und Recht für alle: Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie, alles für alle, für uns nichts.“ (CCRI-CG der EZLN,...mehr

Drei künstlerische Positionen: Alles Für Alle!

Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen

Bildstrecke: Bini Adamczak Poster: Oliver Ressler und David Thorne Rückseite: Recherchegruppe zu Schwarzer österr. Geschichte Bini Adamczak (Frankfurt) arbeitet theoretisch und zeichnerisch an Horizonten, Überschneidungen und Komplikationen, die sich aus queerer, marxistischer und antisemitismuskritscher Perspektive im Hinblick darauf ergeben, dass endlich alles anders wird. Für die Bildstrecke des Bildpunkt entwickelte sie Zeichnungen, die sich an...mehr

Kunst- und Kulturpolitik

Frauenfrühlingsuni 2007

Interview mit Elisabeth Günther und Susi Kimm

Bildpunkt: Nach 17 Jahren wird es wieder eine Frauenuniversität geben. Was war die Motivation dafür? E. G.: Aufgekommen ist die Idee vor mittlerweile zwei Jahren beim alternativen Bildungspolitiken-Kongress. Birge Krondorfer war eingeladen, um über die Frauenunis (FU) zu sprechen, und viele waren davon sehr begeistert. Es wurde dann relativ schnell beschlossen, dass die ÖH so...mehr

KünstlerInnen, ohne Arbeit

„Was bleibt vom ,Menschen‘, wenn man die ,Arbeit‘ von ihm abzieht?“

Betreuung durch das Arbeitsmarktservice, sowie Leistungsbezüge nach dem Arbeitslosenversicherungsgesetz, also Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe, werden mittlerweile von vielen als Privileg oder unwahrscheinlicher Glücksfall empfunden. Die für einen Anspruch, der so genannten Anwartschaft, notwendigen 52 „ordentlichen“ Anstellungswochen (innerhalb von zwei Jahren – für unter 25-jährige genügen 26) zu erreichen, gelingt nämlich den wenigsten, vor allem kaum einem...mehr