Touring Artists

Ein neues deutsches Info-Portal nimmt die Mobilität von Künstler_innen ernst.

Am 18. April 2013 fand im Rahmen einer internationalen Konferenz in Berlin der Launch des Info-Portals Touring Artists (www.touring-artists.info) statt, das die Internationale Gesellschaft der bildenden Künste (IGBK) und das Deutsche Zentrum des Internationalen Theaterinstituts (ITI) gemeinsam seit 2011 entwickelt haben. Ziel dieses Kooperationsprojekts war es, umfassende Informationen für Künstler_innen anzubieten, die in bzw. außerhalb von Deutschland arbeiten wollen. Das Ergebnis ist ein Online-Portal, das folgende Aspekte abdeckt: Aufenthaltsund Visafragen, Sozialversicherung, Steuerfragen, Transport/Zoll, Förderungen sowie Urheberrecht. Ergänzt wird das alles durch einen kompakten Überblick über den deutschen Kunstbetrieb und seine Institutionen sowie durch eine interaktive Schnittstelle, wo Künstler_innen ihre Erfahrungen in Bezug auf das jeweilige Thema einbringen können. Zwei angestellte Redakteurinnen erstellten die Seite in Zusammenarbeit mit fachspezifisch hinzugezogenen Expert_innen – und betreuen die Seite auch weiter. Die Konferenz und ein kleiner gedruckter „Pocket Guide“ flankieren diesen Service.

Bemerkenswert an diesem Portal sind im Vergleich zu Österreich (vgl. Artikel auf S. 20) mehrere Aspekte. Die Ausgangslage ist zunächst dieselbe: Die Arbeitsgruppe der Open Method of Coordination (OMC) zur Mobilität von Künstler_innen hat in einem Bericht von 2011 festgestellt, dass mangelnde Informationen ein Haupthindernis für künstlerische Mobilität seien. Dies löste auf den nationalen Ebenen verschiedene Aktivitäten aus – in Deutschland entstand www.touring-artists.info, in Österreich www.artistmobility.at, erstellt durch das bm:ukk gemeinsam mit anderen Ministerien und der UNESCO. Während in Deutschland auf Augenhöhe mit den Interessenvertretungen kooperiert wurde, wurde in Österreich eher ein intransparentes Abwehrmatch Ministerium vs. Interessenvertretungen geführt. Diese Herangehensweisen prägen die Resultate: Während die deutsche Seite aus einer künstlerischen Praxisperspektive und konkreten Bedürfnissen heraus erstellt ist und Musterverträge, Checklisten etc. anbietet, doppelt die österreichische Seite Informationen, die ohnehin über die Ministerien abrufbar sind. In Deutschland wird die weitere Betreuung der Seite finanziert, in Österreich wird ein Status quo abgebildet.

Die Konferenz Touring Artists ging allerdings über eine bloße Präsentation der Info-Seite hinaus und präsentierte auch andere Modelle kunstspezifischer Informationsdienste. Zwei Modelle aus Belgien zeigten die Bandbreite der Möglichkeiten: Kunstenloket, ein Projekt der Kunsthochschule Amsterdam (AHK), ist eine geförderte Serviceeinrichtung aus Flandern und Brüssel, die berufsrelevante Informationen auf einer umfassenden Webseite sowie Beratung und Weiterbildung für Künstler_innen aller Sparten anbietet. Smart Belgien auf der anderen Seite ist ein privatwirtschaftliches Unternehmen, das die Abwicklung der administrativen Aufgaben von Künstler_innen als kostenpflichtige Dienstleistung anbietet. Beide machten deutlich, dass künstlerische Arbeit Infrastrukturen benötigt; werden diese nicht von öffentlich finanzierten Einrichtungen errichtet, so springen kommerzielle Anbieter_innen in die Bresche.


Die politischen Fragen der Einreisebedingungen können durch diese Informationsangebote nicht gelöst werden, aber ein besseres Wissen um die Rahmenbedingungen erhöht die Souveränität der Akteur_innen im Feld.

Elisabeth Mayerhofer ist strategisch-politische Geschäftsführerin der IG Kultur Österreich.