Kampfterrains.

#28 critical correctness, Frühling 2013

In unserer Schülerzeitung ging es recht radikal zu. Die meisten von uns waren anmarxisiert oder hatten das A im Kreis für sich entdeckt und wollten von der Schule aus die Weltrevolution vor anbringen. Das musste natürlich bei uns anfangen. Wie sollten wir systematischen Ausschlüssen entgegentreten? Die sprachliche Benennung der Benachteiligten, das schien uns das Mindeste. So wurde unser Blatt zunächst einmal zur SchülerInnenzeitung, auch die Artikel wurden dementsprechend geschlechtergerecht redigiert. Die Reaktionen waren gewaltig und bestätigten uns selbstverständlich in unserer wagemutigen... mehr

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Drei künstlerische Positionen: critical correctness

Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Poster: Renée Green Rückseite: Dolce after Ghana Bildstrecke: Straßenumbenennungen Die Bildstrecke dieser Ausgabe zeigt Dokumentationen unterschiedlicher Straßenumbenennungsaktionen. Manche legen Priorität darauf, die Sichtbarkeit von Personen und Bewegungen zu erhöhen, die in hegemonialen Geschichtsschreibungen strukturell ausgeblendet werden, manchen geht es um das Aufzeigen konkreter (historischer) Gewalt- und Machtausübungen gegenüber Minderheiten durch Staat und Gesellschaft, manchen um...mehr

Politisch, korrekt, gut und menschlich?

Wer bin ich? Toleranz, Feminismus, Emanzipation, Gleichbehandlung und Solidarität gehören zu meinem Selbstverständnis. Vorurteile und Stereotype versuche ich in meinem Denken und Handeln aufzuspüren und loszulassen. Alltagsrassismen, sexistische Normalitäten und sonstiges arrogantes und abwertendes Verhalten sind mir zuwider. Ich bin eine weiße, inländische, akademisch gebildete Frau mittleren Alters und bürgerlicher Herkunft mit feministischen, antifaschistischen und...mehr

Anerkennung ohne Erkennung.

Von Sagbarkeit, Sichtbarkeit und Prozessen der Rassisierung.

Im Januar 2013 zirkulieren zwei Debatten durch die deutschen Medien. Diejenige um die sogenannte Textmodernisierung von Kinderbuchklassikern, in denen u.a. das Wort „Neger“ ersetzt werden soll, und die Sexismusdebatte um männliche Politiker(zirkel) und „Herrenwitze“. Aktualisiert werden nicht nur alte Bilder, Wörter und Vorstellungen, aktualisiert wird dabei auch das laute Getöse der Anti-political-correctness-Fraktion, jener Diskursbeherrscher, die...mehr

„… historisches Bewusstsein für Unterdrückungsmechanismen wäre hilfreich …“

critical correctness im Gespräch mit Rebecca Maskos und Izy Kusche

Seit rund zwanzig Jahren wird nun die Vokabel der „Political Correctness“ (PC) politisch eingesetzt. Auch mit Kunst hatte das zu tun, denn gerne wurde der Etat des National Endowments for the Arts von der US-amerikanischen Rechten zum Anlass für Debatten um den Fortbestand der Zivilisation und dessen Gefährdung durch Künstler_innen und andere (vor allem ethnisch...mehr

Herrenmenschen, „herrlich unkorrekt“ im Ösi-Tatort

Was anderswo krass kontrovers wäre, ist im Wiener Bügelfernsehen Krassnitzerkonsens

Gewagte Verstöße gegen die „Lebensfremdheit“ auferlegter Regeln sozialen Verkehrs: Unter den Medienformaten, die diese Ideologie des Herrlich-Unkorrekten bespielen, ist das des Verbrechensbekämpfers als Durchgreifer, der Ausnahmezustände erkennt und, über hemmende Rechtsformalitäten hinweg, tut, was zu tun ist. Das hat Vorläufer in 1970er-Law&Order-Ikonen wie Dirty Harry – und, neben den Bonds und Batmen der späten Nullerjahre,...mehr

Correct me if I am (politically) wrong: „Echte“ Kunst, Elitarismus und „weiße“ Wahnvorstellungen der Erhabenheit

So sehr „Political Correctness“ in der breiteren Öffentlichkeit lächerlich gemacht wird, so deutlich ist es noch immer ein Konzept, das Deutschland nicht ignorieren kann. Die Debatte über die Entfernung des N-Wortes aus Kinderbüchern, die momentan durch die deutschen Medien wütet (national und international, in Fernsehen, Radio, Print- und Social Media), bezeugt diese Tatsache. Weiße1 Kulturproduzent_innen...mehr

Antisemitismus jenseits von political correctness angehen

Dieser Text knüpft an aktuelle Debatten über den Umgang mit Antisemitismus in Wiener linken akademisch-künstlerischen Kontexten an und soll einen Beitrag zur weiteren Auseinandersetzung leisten. Die Diskussion entbrannte anlässlich der Übersetzung und Veröffentlichung von Texten des dekolonialistischen Theoretikers Walter D. Mignolo durch das European Institute for Progressive Cultural Policies (eipcp) und den Verlag Turia +...mehr

Etwas Besseres als Integration

Sie hört einfach nicht auf, die Rede von der Integration. Das ist insofern bemerkenswert, als sie in sich das Eingeständnis birgt, dass Ausgrenzung gesellschaftliche Realität ist. Denn gäbe es Ausgrenzung nicht, wer würde dann von Integration reden? Mit einer solchen Vereinfachung kommt man natürlich nicht durch. In Zeiten und Verhältnissen wie diesen wird Komplexitätsreduktion mit...mehr

critical correctness im Buch

Matthias Dusini / Thomas Edlinger: In Anführungszeichen. Glanz und Elend der Political Correctness. Berlin 2012 (Suhrkamp). Lucian Hölscher: Political Correctness: Der sprachpolitische Streit um die nationalsozialistischen Verbrechen. Göttingen 2008 (Wallstein Verlag). Helma Lutz / Maria Teresa Herrera Vivar / Linda Supik (Hg.): Fokus Intersektionalität. Bewegungen und Verortungen eines vielschichtigen Konzeptes. Wiesbaden 2010 (VS Verlag). Katharina...mehr

Kunst- und Kulturpolitik

70 Sitzungen und (k)ein bisschen weiser?

Dreieinhalb Jahre Interministerielle Arbeitsgruppen zur sozialen Lage der Künstler_innen. Der Kulturrat Österreich zieht Bilanz.

Als Ende 2008 die Studie „Zur sozialen Lage der Künstler und Künstlerinnen in Österreich“ erschien, war das Erschrecken noch groß. 37% der Künstler_innen befanden sich mit ihrem Jahreseinkommen unter der Armutsgefährdungsgrenze (im Vergleich zu 13% der Gesamtbevölkerung), lautete eines der Ergebnisse. Als Reaktion darauf initiierte die Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur, Claudia Schmied, 2009...mehr

„Die Verschärfung des Urheberrechts ist nicht automatisch im Interesse der aktiven Urheber“

Mögliche Positionen der bildenden Kunst in der Urheber_innenrechtsdebatte

In der aktuellen Debatte um die geplante Novelle des Urheber_innenrechts bzw. um die Frage, wie ein modernes Urheber_innenrecht denn aussehen könnte, melden sich verschiedene Gruppen mit ihren spezifischen Interessen zu Wort. Allen voran die Verwertungsgesellschaften (via Kunst hat Recht), aber auch der Elektronikfachhandel (Plattform für ein modernes Urheberrecht) oder diverse Internetaktivist_innen (Initiative Netzfreiheit u.a.). Wie...mehr