Bildpunkt: Was war zuerst da, der Kanal oder das Logo?
A.H.: Der Kanal. Wir haben Telekabel Kanal 8 bekommen und daraus den Namen und das Logo entwickelt.
R.B.: Unsere Idee war auch einen Namen zu wählen, der nicht selbst schon so behaftet ist mit Inhalt, den man gar nicht mehr füllen kann. Okto bietet eben Projektionsmöglich- keiten. Der Slogan „Okto eckt an“ hat sich angeboten, weil er passt.
Bildpunkt: Und wie bekommt man eine Sendelizenz?
A.H.: Man kann sich in Österreich für eine Lizenz bewerben und muss dabei bestimm- ten Kriterien entsprechen. Die Zulassung vergibt die Rundfunk- und Telekom Regulie- rungs Ges.m.b.H. Man muss sich unter anderem verpflichten zwei Stunden selbst produziertes Programm senden zu können. In der Form ist Okto sicher auch der erste freie Sender.
R.B.: Okto ist ein wirkliches Community- Medium in diesem Stil und mit dieser Nicht- Kommerzialität sind wir sicher die Ersten.
A.H.: In Deutschland ist dieser so genannte dritte Mediensektor im Gegensatz zu Öster- reich im Gesetz festgeschrieben, das wurde nach dem 2. Weltkrieg festgelegt.
R.B.: Wir sind ja rechtlich betrachtet kein dritter Sektor, auch wenn wir das vom Selbstverständnis her so sehen. Die rechtli- chen Rahmenbedingungen funktionieren nach dem Privatfernsehgesetz.
A.H.: Damit hat ja auch Orange 94.0 lange gekämpft, mit diesem Fehlen der gesetzli- chen Rahmenbedingungen. In Deutschland ist auch die Finanzierung gesetzlich festge- schrieben. Da gibt es Umlageverfahren für die Rundfunkgebühren und ein bestimmter Prozentsatz wird auf offene Kanäle umge- widmet.
Bildpunkt: Wie seid ihr finanziert?
R.B.: Über eine Förderung von der Stadt Wien. Das war ja eines von mehreren rot- grünen Projekten, ein Projekt, dessen Umsetzung als wichtig für die Stadtkultur eingeschätzt wurde.
A.H.: Eines unserer Ziele in finanzieller Hin- sicht ist aber auch die Beteiligung an Rund- funkgebühren in Österreich, also ähnlich dem deutschen Modell.
Bildpunkt: Müsst ihr eigentlich die Kamera- leute, CutterInnen, etc. nach Kollektivvertrag bezahlen? Das ist – je nach öffentlicher För- derung, ja verschieden.
R.B.: Wir unterliegen keinem Kollektivvertrag. Wir sind Plattform und auf dieser Plattform gibt es mehrere Sendungen und Gruppie- rungen, die Fernsehen machen, die ja letzt- lich auch die Kamera bedienen, selbst schneiden, moderieren, etc. Bezahlte Arbeit bei Okto ist Struktur erhaltende Arbeit.
Bildpunkt: Ihr seid also nicht ProduzentIn- nen im klassischen Sinn?
A.H.: Nein, eher HerausgeberInnen, Platt- form. Wir sind die Infrastruktur, die es mög- lich macht. Mit unseren Ressourcen können eben die unterschiedlichsten ProduzentIn- nen arbeiten. Wir unterstützen sie nur dabei. Den Weg zur Sendung kann man auch gut auf unserer Website erfahren: www.okto.tv. Es gibt ein Programmteam mit dem man grundsätzlich in Kontakt treten kann, wenn man in irgendeiner Form eine Idee hat oder eine Sendung auch wirklich umsetzen will. Und dann folgen mehrere Schritte bis die Sendung wirklich auf Sendung geht.
Bildpunkt: Wie wird man ProduzentIn? Muss man eine Schulung machen?
A.H.: Verpflichtend sind Workshops in Medien- und Urheberrecht und eine Ein- führung in die Strukturen von Okto. Es muss auf Grund der rechtlichen Lage für jede Sendung eine sendungsverantwortliche Person geben. Wir versuchen den Leuten ein- fach so gut es geht zu ermöglichen ihre Inhalte zu vermitteln, ohne dass sie dadurch Probleme bekommen. Dann gibt es noch ein Basis-Training „Gestaltung und Technik“. R.B.: Die Schulungen in Kamera, Schnitt und Ton sind dann verpflichtend, wenn man unser Equipment gratis verwenden will.
Bildpunkt: Gibt es bei Okto Programm- schienen?
A.H.: Das Programm besteht im Moment in erster Linie aus regelmäßigen Sendungen, die selbstständig von bestimmten Personen und Gruppen gemacht werden. Regelmäßig deswegen, damit sich überhaupt erstmal eine Struktur, eine Wiedererkennbarkeit, etablie- ren kann. Durch den Sendebeginn Ende November sind wir noch in einer Art Test- phase. Es wird im Moment sehr viel auspro- biert. Die meisten ProduzentInnen machen monatlich eine halbstündige Sendung. Das ist vom Arbeitsaufwand her für viele gerade noch im Rahmen des Machbaren.
Bildpunkt: Eure Schwerpunkte?
A.H.: Kultur – ist zwar ein sehr labbriges Wort, aber ich würde es in dem Fall trotzdem behaupten. Sozialpolitische Inhalte, Minder- heiten, Kunst, Film. Es gibt auch verschiede- ne Überlegungen zu Eigenproduktionen, die teilweise in verschiedenen Konzeptions- und Prozessphasen sind. Weiters Diskussions- und Nachrichtenformate, die es auch zulas- sen, dass Leute punktuell mitarbeiten kön- nen und wo es auch eine Redaktion gibt.
Bildpunkt: Gibt es so was wie Zensur bei Okto?
A.H.: Es gibt Richtlinien, die sich auch sehr stark an die von Orange 94.0 anlehnen, da geht es um sexistische, rassistische, die Wür- de des Menschen verletzende Inhalte. Und es gibt ganz klare Vorgaben, was man laut Mediengesetz nicht tun darf. Es ist für uns sehr wichtig einen Schwerpunkt auf Themen und Personen zu setzen, die sonst nicht repräsentiert sind.
Bildpunkt: Taucht da nicht auch oft die Frage nach der Quote auf? Wer wirklich konsumiert nun Okto?
A.H.: 500 000 Haushalte in Wien können Okto empfangen. Für kommerzielle Medien ist die Quote sicher wichtig, wenn ich Werbe- zeit oder sonst was verkaufen will. Wir wer- den das von den ProduzentInnen auch per- manent gefragt. Es ist auch das ein längerer Prozess des Kommunizieren und Bewusst- machens: Wie wird eigentlich operiert in an- deren Medien und wo ist der Unterschied?
Bildpunkt: Wann wird man Okto via Inter- net empfangen können?
R.B.: Der Livestream soll in diesem Quartal anlaufen. Das wird für die ProduzentInnen ein Quantensprung werden, weil man sie dann weltweit empfangen kann.
A.H.: Wichtig ist, dass die einzelnen Sendun- gen ihre Zielgruppen erreichen. Man kann uns auch nicht mit ATV oder Puls TV verglei- chen. Über Breite kann sich das Programm von Okto in dem Sinn nicht definieren.
R.B.: PulsTV z. B. hat da eine ganz klar definierte Zielperson. Sie heißt Jessica, ist 31 und – ich glaube – Werbegrafikerin. Die Jessica gibt’s bei uns nicht, und die soll’s auch nicht geben. Eine ganz klar definierte Zielgruppenpersönlichkeit heißt ja auch nichts anderes als der Werbebranche zu verkaufen, dieses Marktsegment gibt es bei mir um diesen Preis.
A.H.: Wir haben versucht Gruppen gezielt anzugehen und zum Fernsehmachen einzu- laden. Gruppen, die sonst nicht von selber kommen. Was zumindest aus der internen Sicht schon bedingt hat, dass das Programm so vielfältig ist. Hätten wir das nicht gezielt gemacht, dann hätten wir jetzt zu 90% einen männlichen Studentensender.
Bildpunkt: Im Bereich Bildende Kunst, was gibt es da für Sendungen?
A.H.: Es gibt kit – Kunst in town, Senf TV oder das Magazin K3. Und Play ist ein wö- chentlich kuratiertes Magazin, in dem unmo- deriert mit kurzen Zwischeninserts sehr inte- ressante Kunstfilme und -videos laufen. Im Bereich Film gibt es Super-act, Film frei, Dia- gonale TV, Filmecke. Die Links zu den einzel- nen Sendungen findet man auf der Website.
Bildpunkt: Sendet Okto 7 Tage die Woche?
A.H.: Ja. Von 11h vormittags bis 2h früh. Die Kernsendezeit ist Montag bis Freitag 20h bis 22h. Das ist die Zeit, in der die Sendungen erstmals ausgestrahlt werden. Danach wer- den sie im zeitversetzten Rotationsprinzip an den darauf folgenden Tagen wiederholt. So erreichen die Communities mit ihren Sen- dungen einfach mehr ZuseherInnen. Was wir ab April planen, sind Schwerpunktabende, zu denen, ähnlich wie bei arte, Leute oder Institutionen punktuell eingeladen werden, um mit Filmen, Kurzfilmen, Studio- diskussionen ein Thema zu gestalten.
R.B.: Für mich, als ehemalige koordinieren- de Redakteurin der an.schläge ist das an.schläge TV. Eine sehr schöne Sendung, die immer wieder mit null Budget und viel Arbeitszeit und Engagement gemacht wird.
A.H.: Spannend bei Okto ist ja auch, dass es ähnlich wie bei dem Format an.schläge TV immer wieder Magazine gibt, in denen ver- schiedene Themen Platz haben. Gettoisieren wollen wir nicht.
Renate Billeth ist Leiterin der Öffentlichkeits- arbeit bei Okto und lebt in Wien.
Amina Handke ist Künstlerin und Programm- koordinatorin bei Okto und lebt in Wien.
