Mit dem prekären Büro eröffnen wir einen Raum, in dem wir uns gegenseitig über arbeits- und migrationsbezogene Fragen Rat geben sowie Selbstorganisierungspraktiken diskutieren und entwickeln. Diese Initiative geht von verschiedenen Leuten aus, von denen manche im PrekärCafé, in Juventud Sin Futuro / Marea Granate Vienna oder Solidarity4All organisiert sind. Als ArbeiterInnen und oftmals MigrantInnen wollen wir einander informell Auskunft zu geben, ins Gespräch kommen, uns über unsere politischen Initiativen austauschen und diese weiterdenken – inspiriert von ähnlichen selbstorganisierten Initiativen in Spanien, Italien und anderswo. Hier sind alle herzlich willkommen, die Information teilen oder bekommen, einen Tee oder ein Bier in solidarischer Gesellschaft trinken, über ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen sowie Erfahrungen von Krise und Migration plaudern wollen – und natürlich über gemeinsame Strategien der Veränderung. Unter uns werden viele verschiedene Sprachen gesprochen, wir übersetzen gerne und bemühen uns, nützliche Informationen zu finden. Aus diesem Raum soll ein Netzwerk der gemeinsamen Unterstützung und Zusammenarbeit sowie ein Info-Blog anwachsen.
Ein Eröffnungsabend: Opera Prima
Am 3. 9. 2013 schlüpften wir ungewöhnlicherweise in den zentralen und musikalischen ersten Bezirk Wiens zur Eröffnung des Büros für Prekarisierungsangelegenheiten – einer Oper in drei Akten mit kulinarischem Vorspiel und festlicher Coda. Leute aus circa 15 Ländern der Welt trafen zusammen, um das folgende Programm zu interpretieren und improvisieren. Kulinarisches Präludium: Das Büro empfing seine Gäste mit einer offenen Küche. Das war ein gelungener Weg, sich anzunähern und unsere Diskussionen rund um Prekarität, Selbstorganisation und Krise weiterzuführen. Erster Akt: Wir eröffneten mit einer Vorstellung unserer Vorstellung des Büros: Was meinen wir mit Prekarität? Welche Erwartungen sind mit der Schaffung dieses Raumes verbunden und wie könnte das funktionieren? Alle Anwesenden stellten sich einander vor, und dabei zeigte sich, dass Prekäritat auch hier in der Kaiserstadt sehr präsent ist. Zweiter Akt: Filme über Selbstorganisierung: eine Doku über die Kampagne migrantischer Reinigungskräfte an der Londoner Uni (die 3 Cosas-Kampagne); ein Animationsvideo der spanischen Hausund Hypothekenrechtsbewegung (PAH) über ihre Community-Arbeit; und ein Video über selbstorganisierte Gesundheitszentren in Griechenland. Dritter Akt: Ein lebhaftes Gespräch darüber, was die TeilnehmerInnen vom Büro erwarten, welche politischen Optionen existieren und wie ein solches Projekt neue Energie in die Stadt bringen könnte. Crescendos der gemeinsamen Reflexion führten zu Fragen wie jene der Beziehung von Selbstorganisierung und Makropolitik, des Anfangens dort wo man ist, der Eurokrise, usw. Coda Finale: Nach dem erfolgreichen Debüt ging es weiter mit locker festlichem Ambiente, Austausch von Meinungen, Geschichten und einander Kennenlernen.
Coming up
Beim nächsten Mal wollen wir einander auch von Situationen und sozialen Bewegungen in Ländern, in denen wir gelebt haben, erzählen – gefolgt von einem Brainstorming zur möglichen kollektiven Produktion einer Broschüre über Selbstorganisation am Arbeitsplatz. Das Büro für Prekarisierungsangelegenheiten hat jeden ersten Dienstag im Monat ab 18h im W23 Kulturzentrum (1010 Wien, Wipplinger Straße 23) geöffnet.
E. Velado Alonso & M. Rodriguez sind im Precarity Office Vienna aktiv. Eine Langfassung dieses Textes erscheint auf: www.precarityoffice.wordpress.com
