Engagieren. Editorial

#09 Widerstand. Macht. Wissen., Herbst 2007

In seiner letzten Rede im Mai 2001 plädierte der Soziologe Pierre Bourdieu dafür, „Wissen in engagiertes Wissen (zu) überführen.“ Da blickte er bereits auf einige Jahre des politischen Aktivismus zurück, der spätestens mit seinem Engagement während der Streiks in Frankreich Ende des Jahres 1995 begonnen hatte. War Bourdieu zuvor der Idee wissenschaftlicher Objektivität verpflichtet, hat der Widerstand gegen die neoliberalen Umstrukturierungen offenbar nicht nur seine Einstellung zum Wissen, sondern auch das Wissen selbst verändert, vielleicht sogar neues Wissen hervorgebracht. So jedenfalls ließe... mehr

Beitrag teilen

Drei künstlerische Positionen: Widerstand. Macht. Wissen.

Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen. Poster: Zanny Begg Rückseite: Katharina Morawek Bildstrecke: Wir machen Kunst, weil es die feministische/ politische/gesellschaftliche/meine Situation erfordert. „Ich fokussiere darauf, wie wir durch Kämpfe lernen und ich glaube, der einzige Weg, die Welt zu verstehen, ist zu versuchen, sie...mehr

Verlernen und die Strategie des unsichtbaren Ausbesserns

Bildung und Postkoloniale Kritik

Die Transformation des Hier und Jetzt ist ohne Bildungsprozesse nicht denkbar, und so ist es auch kaum ein Zufall, dass Befreiungsbewegungen häufig bedeutsame reformpädagogische Ideen hervorgebracht haben. Auch innerhalb postkolonialer Kritik finden sich eine Reihe pädagogischer Überlegungen, die bisher allerdings nur wenig Beachtung erfahren haben. Die postkoloniale Theoretikerin Gayatri Spivak, die sich selbst als Lehrerin...mehr

Alle Macht der Freien Universität Kopenhagen

Das Komitee des 15. Juli 2001

Von all den Angelegenheiten, an denen wir uns mit oder ohne Eigeninteresse beteiligen, ist die tastende Suche nach neuen Lebensweisen vielleicht das Einzige, das uns noch mit Leidenschaft erfüllen kann. Die ästhetischen Disziplinen haben sich in dieser Hinsicht als himmelschreiend unzulänglich erwiesen und sie zeichnen sich durch äußerste Distanz aus, wenn es um grundlegende Fragen...mehr

… in das kollektive Gedächtnis einzugreifen

Widerstand. Macht. Wissen im Gespräch. Mit Eva Egermann und Charlotte Martinz-Turek

Sowohl im Kunstfeld als auch in den Sozialwissenschaften – aber auch im Rahmen aktivistischer Praxen – scheinen Debatten um die Mehrdimensionalität des Wissens derzeit auf der Tagesordnung zu stehen. Viele gängige „polyperspektivische Ansätze“ beziehen allerdings die Verhältnisse der Wissensformen untereinander und die bestehenden Wissensund Definitionsmachtverhältnisse in der Gesellschaft nur wenig ein. Mit dem Titel Widerstand....mehr

Lückentest

(Oham und Itsch in der Küche) Oham (richtigstellend): Nein, so geht das nicht. Zuerst die Butter, dann das Öl. Und zuletzt ein Schuss Milch. Itsch (neckisch): Woher willst du das wissen? Oham (selbstsicher): Das steht in diesem Buch. Überlieferung! Itsch: Quatsch! Das nennt sich heute kulturelles Gedächtnis1! Oham: Und schmeckt es so besser? Itsch (genervt):...mehr

Was die Kunst weiß und die Wissensgesellschaft nicht wissen will

Seit der öffentlichen Ausrufung der Wissensgesellschaft ist Wissen zu einem der meist gebrauchten und meist missbrauchten Wörter geworden. Übersehen wird gerne, dass dieser Begriff alles andere als eindeutig ist und je nach Façon des Sprechers / der Sprecherin jeglicher Begründungsabsicht genüge getan werden kann. Dehnbar wie Kaugummi, kittet er Leerstellen und verhilft beliebigen Argumentationen zum...mehr

Skurrile skills und tolle tools

Wissensgesellschaft und Kunst

Für Ulrich Beck ist die Rede von der „Wissensgesellschaft“ ein „Euphemismus der Ersten Moderne“. Der Soziologe weiß es offenbar besser als viele seiner KollegInnen, die behaupten, die gegenwärtigen Gesellschaften hätten ein solches Präfix verdient. Statt Risiko-, Informations-, Dienstleistungsoder postindustrieller, postmoderner, spätkapitalistischer also „Wissensgesellschaft“. Mit seiner Ablehnung dieses zeitdiagnostischen Labels verallgemeinert Beck allerdings bloß die abgedroschene...mehr

Educación Popular

Die educación popular ist ein Ansatz, der Bildung als einen partizipativen und transformierenden Prozess versteht, in der das Erlernen und die Wissensaneignung auf der praktischen Erfahrung der Personen und der Gruppen selbst basiert. Ausgehend von der Sensibilisierung und dem Verständnis der Beteiligten gegenüber den Faktoren und Strukturen, die ihr Leben bestimmen, geht es darum, ihnen...mehr

Widerstand. Macht. Wissen im Buch

Sabine Ammon, Corinna Heineke, Kirsten Selbmann (Hg.): Wissen in Bewegung. Vielfalt und Hegemonie in der Wissensgesellschaft, Weilerswist 2007 (Velbrück Wissenschaft). Ulrich Beck: Weltrisikogesellschaft, Frankfurt a. M. 2007 (Suhrkamp Verlag). Heinrich Böll Stiftung (Hg.): Die Verfasstheit der Wissensgesellschaft, Münster 2007 (Verlag Westfälisches Dampfboot). Irene Dölling, Dorothea Dornhof, Karin Esders, Corinna Genschel, Sabine Hark (Hg.): Transformationen von...mehr

Kunst- und Kulturpolitik

Get together

Vernetzung kunstund kulturschaffender Frauen in Wien

Wir bauen gerade ein wien-weites Netzwerk von Künstlerinnen und kulturschaffenden Frauen auf und laden alle Interessierte herzlich ein zu unseren ersten beiden Treffen im Herbst. Ausgangspunkt dieser Künstlerinnen-Vernetzung war das Projekt im Rahmen des Festivals Soho in Ottakring 2007: Vernetzungs-Plattform für kunstund kulturschaffende Frauen im 16. Bezirk. Die Idee war, während des Festivals ein „Caféhaus“...mehr

Reförmchen in Sicht?

Kulturministerin Schmied und die Künstlersozialversicherungsfondsgesetz-Novelle

Über zwei Jahre ist es her, seit der Künstlersozialversicherungsfonds (KSVF) erste Rückzahlungsforderungen ausgesprochen hat, um KünstlerInnen längst bezogene Zuschüsse wieder streitig zu machen. Neun Monate ist es her, seit Kulturministerin Claudia Schmied eine Gesetzesnovelle angekündigt hat, um Sofortmaßnahmen gegen diese widersinnige Rechtslage zu setzen. Doch was ist daraus geworden? Was wird in Zukunft anders werden?...mehr

Nie wieder Ulrichsberg!

Eindrücke von den Antifaschistischen Aktionstagen in Klagenfurt/Celovec 2007

Jedes Jahr im Herbst ist der Ulrichsberg in der Nähe von Klagenfurt/Celovec Schauplatz einer gespenstischen Veranstaltung: Mehrere Hundert Altund Neonazis, Burschenschafter, Mitglieder von Kameradschaftsverbänden, Landsmannschaften und deutschnationalen Heimatverbänden treffen sich hier, um ihren gefallenen „Kameraden“ aus Wehrmacht und Waffen-SS zu gedenken. Seit einigen Jahren allerdings nicht mehr ungestört – Demonstrationen, Aktionen und Recherchearbeit machen den...mehr