Nicht stehenbleiben!

#05 Orte der Kritik, Herbst 2006

Kritik, hatte Marx einst gemahnt, dürfe nicht nur „Hirntätigkeit“ sein. Sie müsse praktisch werden. „Die Sache hätte klappen können“ merken Die Goldenen Zitronen auf ihrer aktuellen CD Lenin beim Besuch an dessen letzter Ruhestätte an. Ein skurriler Ort, an dem anscheinend vor allem ein Motto gilt: „Nicht stehenbleiben.“ Orte der Kritik, das Thema dieser Bildpunkt-Ausgabe, meint zweierlei: Orte, von denen Kritik ausgeht und solche, die zu kritisieren sind. Nicht selten handelt es sich dabei allerdings um ein und denselben. Bestimmte Institutionen im künstlerischen Feld kommen gar nicht mehr aus ohne den Nimbus... mehr

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Wer A sagt, muss gar nicht B sagen

Wir sind gefragt worden, einen Beitrag für diese Nummer von Bildpunkt zu schreiben, weil wir trotz (oder gerade wegen) unserer Kritik am Kunstbereich, die wir in den 90er Jahren in Diskussionen und Artikeln geäußert haben, eingeladen wurden, an „besonders heiklen“ Orten zu arbeiten. Wir haben in einigen Fällen diese Einladung ausgeschlagen und sie – im...mehr

Wir haben keine Linie, wir sind reine Kurven

Die Mujeres Creando haben in unserer Gesellschaft neue Formen entwickelt, Politik zu machen. Sie haben sowohl andere Szenerien eröffnet, als auch andere thematische Räume, von denen aus diese Politik gemacht werden kann. Ein bisschen näher dran an und doch jenseits von der einheitlichen, exklusiven und zwanghaften Beziehung zum Staat. Und der Forderung-Opfer-Konzession entkommen, die die...mehr

Raus aus dem Mainstream! Rein in den Mainstream!

Hegemonie erringen oder vermeiden?

Die Vokabel „Mainstream“ gilt geradezu als Schimpfwort in einem avancierten Segment des Kunst- und Theoriefeldes. Was dabei auffällt ist, dass die Kritik am Mainstream sehr oft gerade von jenen Gruppen der Gesellschaft geführt wird, die sich nicht an ihren Rändern befinden. Wer will schon Mainstream sein? Nicht die Mehrheitsgesellschaft. Die mehrheitsgesellschaftliche Distinktion im Kunstfeld arbeitet...mehr

Kritik der Institutionen und/oder Institutionskritik?

(Neu-)Betrachtung eines historischen Dilemmas

Etwas sehr frei nach Theodor Adorno könnte man sagen, dass jede Kritik der Kunst zugleich Kritik an der Kunstkritik sein muss: Damit meine ich, dass ihre Kriterien einer permanenten Überprüfung bedürfen, ist doch das, was als „Kritik“ oder „kritisch“ gilt, nichts, was sich auf eine Haltung oder Methode festschreiben lässt. Was heute als kritisch gilt,...mehr

Semmelfall

Eine Welt ohne Kritik wäre wie eine Semmel ohne Butter. Für manche ungenießbar, für andere die Befreiung von lästigen Bei-, Zu- und Untaten. Bei einer Semmel ohne Butter wüsste man nie, auf welche Seite sie fallen würde. Die Kritikbutter würde die Semmel auf eine Seite ziehen. Oder doch nicht? Semmeln fallen, werden gestoßen, geworfen, gespuckt...mehr

Kritik an Ort und Stelle (Buch, Netz, Zeitschrift)

Fragt man nach Orten der Kritik im Kunstfeld, ist man vielleicht mit einer Topologie nicht schlecht beraten. Könnte man denken. Wir sollten ohnehin eher von „Kunstorten“ als von Kunstwerken sprechen, meint Boris Groys. Dem Museum aber komme „keine Definitionsmacht mehr“ zu. Groys geht es darum, die viel gescholtene individuelle Autorschaft wieder einzusetzen und „öffentlich zugänglich“...mehr

„... permanent zu hinterfragen ...“

Orte der Kritik im Gespräch. Mit Elke Krasny und Lisl Ponger

Orte der Kritik im Gespräch. Mit Elke Krasny und Lisl Ponger Bildpunkt: Lisl, Du warst einerseits an so renommierten Ausstellungen wie der Documenta beteiligt, die zwar zu den spektakulärsten der Welt gehört, seit 1997 aber auch zu den zentralen Orten gesellschaftskritischer Positionen in der Kunst zählt. Andererseits bist du aber auch im politischen Aktivismus seit...mehr

Kann das Richtige politisch sein, wenn es falsch substantiiert ist?

Über die Aktualität der Frage: Wie weit ist man bereit zu gehen?

Kann das Richtige politisch sein, wenn es falsch substantiiert ist? Über die Aktualität der Frage: Wie weit ist man bereit zu gehen? Marius Babias Ob „Kunst“ tendenziell ein Medium der Kritik und ihre Displays, Orte wie Präsentationsweisen, geeignete Instrumentarien für radikale gesellschaftliche Kritik sind – darum geht es in diesem Beitrag. Anhand von zwei Fragestellungen...mehr

Drei künstlerische Positionen: Orte der Kritik

Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Bildstrecke: Patricia Reschenbach Poster: Anja Salomonowitz Rückseite: Kristina Haider Für die Bildstrecke dieser Ausgabe des Bildpunkt geht Patricia Reschenbach an den Titel „Orte der Kritik“ wörtlich heran. Die etymologische Beschäftigung mit der griechischen Herkunft des Wortes kritein – sichten, sehen, trennen, zerlegen, unterscheiden, entscheiden, beurteilen – führte sie in die Werkstatt eines Uhrmachers. So zeigt...mehr

Kunst- und Kulturpolitik

Neuer Anlauf: Geld für Freie Radios!

Seit dem Ausfall der Bundesförderung im Jahr 2001 ist die finanzielle Lage vieler Freier Radios prekär.

Vielfach musste der laufende Betrieb über kurzfristige kommunale oder lokale Projektförderungen finanziert werden. Der Verband Freier Radios (VFRÖ) spricht in diesem Zusammenhang davon, dass Staaten laut EuGH dazu verpflichtet sind „… aktiv Maßnahmen zur Unterstützung der aktiven und passiven Meinungsfreiheit zu Ergreifen.“ Wo wenn nicht in Österreich wäre es höchst an der Zeit hier etwas...mehr

Freiheit der Kunst! Und Bleiberecht für alle!

Die Freiheit des künstlerischen Schaffens ist im österreichischen Staatsgrundgesetz verankert und somit Bestandteil der österreichischen Verfassung. Dieses Grundrecht muss (wieder) das Recht auf freie Wahl des Arbeits- und Lebensmittelpunktes einschließen. Das Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz jedoch verfolgt eine systematische Diskriminierung aufgrund von Beruf und StaatsbürgerInnenschaft. Sowohl die Abschaffung der Niederlassungsbewilligung für KünstlerInnen als auch die Aberkennung...mehr

Controlling? Killtrolling!

Selbstorganisationen von MigrantInnen im Kulturbereich und ihr Umgang mit den Kontrollgelüsten der SubventionsgeberInnen

Selbstorganisation ist eine zentrale Strategie für MigrantInnen, die eine bezahlte Arbeit und ihren Ausbildungen entsprechende Tätigkeiten ausüben und sich im Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung wirkungsvoll selbst vertreten wollen. Der Kulturbereich bietet Selbstorganisationen von MigrantInnen (SOMs) die Möglichkeit, ihre Themen und Inhalte durch verschiedenste Medien und in unterschiedlichsten Formen zu vermitteln, und die Chance, größere...mehr