Drei künstlerische Positionen: Un/vermittelt

Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Eine von 14 Tafeln aus Hans Haackes Arbeit Der Pralinenmeister von 1981, die er Unternehmensführung und Involvierung am Kunstmarkt von Peter (und Irene) Ludwig gewidmet hat, ist in dieser Ausgabe auf dem Poster zu sehen. Auf der ausgewählten Tafel wird die Entstehungsgeschichte der Stiftung Ludwig Wien skizziert. Mit einer Kombination aus biografischen Daten, Unternehmensführungsfakten, Arbeitsbedingungen bei der MonheimGruppe (deren Geschäftsführer Ludwig war), steuerrechtlichen Informationen, Details zu Vergünstigungen und Einflussnahme auf Stadtentwicklung und Kunstinstitutionen, die aus den Kunstleihgaben der Ludwigs entstanden, zeichnet Haacke in dieser Arbeit ein ebenso politisch kritisches wie umfangreich komplexes Bild der machtpolitischen Facetten des Mäzenat_innentums nach. So wird sozio-ökonomischer Kontext und Institutionskritik durch die künstlerische Intervention in den Kunstraum vermittelt. Haackes Haltung bleibt dabei unversöhnlich: Auch damals war Inkorporation von Kritik schon en vogue, Ludwig wollte die Serie kaufen, doch Haacke verneinte.

Dagmar Höss und Astrid Hofstetter haben 2012 ein Ausstellungsprojekt unter dem Titel Klasse Kunst in der Landesgalerie Oberösterreich realisiert, vom dem eine Dokumentation auf der Rückseite zu sehen ist. Kunstvermittlung wurde hier nicht als nachträgliches Werkzeug zum Wissenstransfer, sondern als integraler Bestandteil der Ausstellung selbst verstanden. Kinder und Jugendliche konnten sich in und um ein eigens konzipiertes Sitzmöbel Wissen zu Museumsarbeit, Sammlungspolitik und Kunstproduktion aneignen; ausgehend von Werken aus der Sammlung standen dazu altersgerecht aufbereitete Informationen zu Verfügung. So konnten die Besucher_innen anhand von einem Schaulager, Zeitstreifen, Videos, Hörbeispielen, Büchern und Objekten spielend die Möglichkeiten ihres selbständigen Forschens ausreizen.

Für die Bildstrecke hat uns dieses Mal nic Comics gezeichnet, in denen einige Kalauer zum Thema Kunstvermittlung abgehandelt werden. Nics queer-feministische Zeichnungsinterventionen arbeiten selbst oft an den Schnittstellen zwischen Kunst und Aktivismus, so beispielsweise seine tape graffitis an der Fassade der Rosa Lila Villa oder im Planet 10.