Das Flöten des Marsyas.

#20 Gewaltverhätnisse, Sommer 2010

In Tiziano Vecellis Die Häutung des Marsyas wird die verdammt alte Geschichte vom aufmüpfigen Künstler erzählt, der, weil er die Götter herausgefordert, eine grausame Strafe zu erleiden hat. In diesem Fall kopfüber aufgehängt und bei lebendigem Leibe gehäutet zu werden. Und das für ein paar Panflötentöne, die Apollo eine unzumutbare Anmaßung waren. Der große Tizian verbildlichte hier die Exekution eines Mottos, an dass er sich selbst zeitlebens hielt: Künstler, bleib bei deinem Pinsel. Als das Bild im Rahmen der Tizian-Ausstellung 2007 im Kunsthistorischen Museum in Wien zu sehen war, erfuhr man viel über die... mehr

Beitrag teilen

Künstlerische Positionen: Gewaltverhältnisse

Künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen. Poster: Nilbar Güres Rückseite: Ines Doujak Bildstrecke: Maria José Galindo „Er hat seine Frau umgebracht. Er hat die Leiche so gut verschwinden lassen, dass die Polizei sie nicht finden konnte. Es waren keine Beweisstücke da und so er ist...mehr

Individualisierung und Ökonomisierung des Sozialen

Zum Bedingungsgefüge sexualisierter Gewalt im Neoliberalismus

1) Von Kämpfen lernen Die Politisierung und Bekämpfung sexualisierter Gewalt stellte einen zentralen Einsatz der Frauenbewegung der 1970er und 1980er Jahre dar. Vier Aspekte möchte ich aus diesen feministischen Kämpfen in Erinnerung rufen: Erstens war für die Politisierung sexualisierter Gewalt die Entprivatisierung von vermeintlich „Privatem“ entscheidend, da so Gewalt überhaupt als solche benannt werden konnte....mehr

Symbolische Gewalt – symbolische Kämpfe

Gewalt ist in westlichen Gesellschaften längst eine alltägliche Erscheinung geworden. Neben der körperlichen existiert sie auch als ökonomische – zum Bespiel als Vernichtung von Arbeitplätzen – oder als politische Gewalt, die der Staat und seine Institutionen ausüben, wie es etwa mit „Hartz IV“ in Deutschland geschieht. In zunehmendem Maß sind vor allem moderne Gesellschaften aber...mehr

… eine gesellschaftliche Stimmung

Gewaltverhältnisse im Gespräch. Mit Carla Knapp & Angela Zwettler und Fiona Rukschcio

Bildpunkt: Bei unserem Themenschwerpunkt Gewaltverhältnisse geht es darum, die ganz alltäglichen Erfahrungen von Gewalt nicht als losgelöst von gesellschaftlichen Verhältnissen zu betrachten. Wir wollen vielmehr den Blick auf die allgemeinen Strukturen werfen und dabei auch die Verstrickungen und Widersprüche thematisieren, die sich beim Handeln in ihnen ergeben. Der Kunst wird im Hinblick auf Gewalt häufig...mehr

[h'walt] [wa:lth] [g'wha:lt]

Eine Gestalt lag am Boden des Gehsteigs einer Einkaufsstraße in Wien, die Kapuze des Sweatshirts über den Kopf, tief in die Augen gezogen. Ächzend, sich krümmend. Mit krächzender Stimme flüsterte die Gestalt [h’walt] [wa:lth]. Die Vorbeigehenen blickten kurz auf sie, zogen die Einkaufstaschen näher an sich und gingen schnell vorbei. [h’walt] [wa:lth]. Dann fiel eine...mehr

Der Staat und die Freiheit. Zu Foucaults Analytik der Regierung

Weshalb wirken die Menschen an ihrer eigenen Unterwerfung mit, als läge darin zugleich ihre Erfüllung? Diese elementare Frage der politischen Philosophie, die mit Spinoza, Hegel und Nietzsche auf eine ehrwürdige Tradition verweisen kann (Ellrich 2009), ist heute vielleicht aktueller denn je. Denn die Einsicht des klassischen Liberalismus, dass nicht in Gewalt und Zwang, sondern im...mehr

Kino als Kriegseintritt und Schmerzenskasten

Filmästhetik, (miss)verstanden im Zeichen von Gewalt, von Benjamin bis Bigelow

„I’d just like to dedicate this to the women and men in the military who risk their lives on a daily basis in Iraq, in Afghanistan and around the world.“ So beendete Kathryn Bigelow ihre Dankesrede nach der Verleihung des Regie-Oscars; und als noch The Hurt Locker als bester Film ausgezeichnet wurde, endete ihre zweite...mehr

Die Verweigerung der freiwilligen Knechtschaft

Das Herrschaftsmodell La Boéties und das Revolutionskonzept des gewaltfreien Anarchismus

Der gewaltfreie Anarchismus ist eine von mehreren Strömungen in der anarchistischen Theorie- und Praxisgeschichte. Einfluss und Wirkung als radikaler Flügel innerhalb einer Massenbewegung erreichte er im deutschsprachigen Raum direkt nach dem Ersten Weltkrieg, dann in den Ökologie- und Friedensbewegungen Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre (in Österreich durch die erfolgreiche Au-Besetzung in Hainburg 1984),...mehr

Gewaltverhältnisse im Buch

Das Argument: Gewaltverhältnisse, 47. Jg., Nr. 263, Heft 5/6, 2005, Hamburg (Argument Verlag). Susanne Krasmann / Jürgen Martschukat (Hg.): Rationalitäten der Gewalt. Staatliche Neuordnungen vom 19. bis zum 21. Jahrhundert, Bielefeld 2007. Michael Schulze / Jörg Meyer / Britta Krause / Dietmar Fricke (Hg.): Diskurse der Gewalt – Gewalt der Diskurse, Frankfurt a.M. 2005 (Verlag...mehr

Kunst- und Kulturpolitik

Gedanken zur aktuellen Situation der Lehrer_innenbildung und -ausbildung

Hintergrund Eine Reform der Schule und Lehrer_innenbildung und -ausbildung in Österreich ist lange überfällig, darüber sind sich die unterschiedlichen Akteur_innen einig. Zusätzlich besteht Bedarf auf die Situation des drohenden Lehrer_innenmangels in den nächsten Jahren zu reagieren – laut BMUKK werden im Zeitraum 2012 bis 2025 rund 50% aller beschäftigten Lehrer_innen in Pension gehen. Im Auftrag...mehr

„Danke, ich habe schon verstanden!“1

Ein Zwischenbericht zum aktuellen 278a-Prozess gegen die 13 TierrechtsaktivistInnen in Wiener Neustadt

Seit 2. März 2010 läuft der 278a-Prozess gegen 13 AktivistInnen der österreichischen Tierrechts- und -schutzszene am Landesgericht in Wiener Neustadt. Drei Tage pro Woche müssen sich die Beschuldigten ganztägig im Gerichtssaal einfinden, um dem Strafverfahren gegen sie beizuwohnen. Drei Tage pro Woche, an denen die um Autorität bemühte und offensichtlich überforderte Richterin Sonja Arleth nicht...mehr