Bei meinem ersten Film kam mir das schon ein bisschen verdächtig vor. Warum sollte ich, der ja nie einen Film gedreht hatte, jetzt einen drehen. Wie wird ein Film gedreht? Zuerst überlegst du dir, worüber du drehen willst. Dann schreibst du ein Drehbuch. Warum soll ich ein Drehbuch schreiben, wenn ich doch nur die Menschen auf der Straße im Film haben will? Aber wen interessieren diese Menschen schon? Du musst dir ein Drehbuch überlegen. Und dann die Menschen aussuchen, die zum Drehbuch passen. Und wer will denn einen Film von dir? Die? Also, dann müssen es schon sehr besondere Menschen sein. Die sollen dich doch nicht nur ungläubig anstarren. Es sollte eine psychologische Studie sein, ein Film über Antihelden. Nicht über JederMensch. Am besten drehst du den Film partizipativ und emanzipatorisch? PartiWas? Ich hatte ein Bild im Kopf, in dem alle Menschen auf der Straße tanzen und im Gleichklang singen: „Parti Parti Zipativ Parti Parti Zipativ.“ Und dann sollte dein Film auch zum Konzept passen. Zum Kontext. Verstehst du? Ohne Konzept kein Film, ohne Kontext nichts. Beides hast du doch schon eingereicht! Und wieviel darf´s kosten? Auch das steht schon geschrieben. Mir fällt jetzt gar nichts mehr ein. Ich lese ungläubig mein Konzept. Das soll ich geschrieben haben? Aber das haben doch schon viele vor mir gemacht? Was ist jetzt daran so besonders? Jetzt gibt es richtungsanweisendsteuernde Maßnahmen. Ohne die gibt es weder Konzept noch Kontext, zumindest nicht in den nächsten zwölf Monaten. Es ist die Gelegenheit für dich. Wenn du jetzt nicht zugreifst, wer weiß, wann es das nächste Mal wieder so weit ist. Nicht vor der nächsten Sonnenfinsternis in unseren Breitengraden. Ich seufze – partizipativ und emanzipatorisch. Wer hat denn was von meinem Film? Die im Gleichklang singenden Menschen auf der Straße vielleicht? Oder der Kontext? Es könnte zu unverhofften Begegnungen kommen, vielleicht. Oder auch zu Anstößen. Aber diese Zeiten sind vorbei. Ich sollte all dem etwas Positives abgewinnen, Leichtigkeit und Weite. Aber so ist diese Stadt doch gar nicht. Mein Thema ist dein Thema ist unser Thema und wird zum Inhalt – partizipativ und emanzipatorisch. Da brauchst gar nicht so deppert schauen. Die neue Perspektive macht das Kind. Wir schaffen große Taten für die Zukunft. Heute eine. Morgen eine. Und dann kommt wieder etwas Neues. Und dann beginne ich wieder von vorne, schonungslos. Die Ursachen dieser Misere können wir jetzt noch nicht erahnen oder gar begreifen. Und die Konsequenzen steck ich in den Sand.
Vlatka Frketić partizipiert und empanzipiert in Wien.
