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Zeitschrift der IG BILDENDE KUNST
erscheint vier Mal im Jahr.

Heft Sommer 2017

Class Matters

In ihrer Geschichte der Art Workers’ Coalition (1969-1971) hebt Julia Bryan-Wilson hervor, dass KünstlerInnen ihren Klassenstatus gerade in dem historischen Moment entdeckten, als von den ArbeiterInnen kaum mehr politisch-emanzipatorische Impulse auszugehen schienen: In der Theorie der Neuen Linken waren sie gerade vom „revolutionären Subjekt“ zu integrierten TrägerInnen des Konsumkapitalismus degradiert worden.
Fortschrittlichkeit und revolutionäres Potenzial dürfe der Klasse „qua Klasse“ (Hans-Günther Thien) ohnehin nicht unterstellt werden. Für einen Abschied von der Klassentheorie aber gibt es keinen Grund. Nicht zuletzt die nach wie vor wachsende soziale Ungleichheit zwingt zum Gebrauch einer Kategorie, die die ungleiche Verteilung von Ressourcen als kollektive und als systematisch hervorgebrachte zu beschreiben vermag.
Wenn auch weniger als mobilisierendes Motiv (Klassenkampf), so ist in den letzten Jahren doch mehr und mehr die diskriminatorische Dimension der sozialen Position – die Anzahl der Studierenden aus ArbeiterInnenfamilien nimmt auch an Kunstunis beständig ab – in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten (Klassismus). Hinsichtlich abwertender und ausgrenzender Praktiken ist Klasse dabei ebenso mit ethnisierenden und geschlechtlichen Diskriminierungen analytisch verknüpft worden, wie das auch schon mit Klasse als Strukturkategorie geschehen war.
In den analytischen Klärungsversuchen innerhalb undogmatisch-linker Theorie (Klassenstellung & Klassenlage, Klassenzusammensetzung, Klasse & Klassifizierung, Klassenhabitus, etc.) tauchen schließlich doch wieder transformatorische Zuschreibungen an die Klasse auf: etwa wenn im Prekariat eine „neue explosive Klasse“ (Guy Standing) gesehen wird. Der Bildpunkt stellt also die Klassenfrage und selbstverständlich diejenige danach, was das alles mit Kunst zu tun hat.



Bildpunkt Sommer 2017: Class Matters
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