Was ist da passiert?

Textbeitrag aus dem Cronical 2022

In den letzten zwei Jahren, nachdem öffentliche Gelder solidarisch und großzügig an Künstler_innen ergangen sind, nachdem auch die Kunst als wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft in der Pandemie getragen wurde, nachdem die IG Bildende Kunst seit Jahrzehnten die internationalen Künstler_innen-Ausweise der IAA (Inetrnational Association of Art) für Österreich ausstellt und wir stetig die Partner_inneninstitutionen, die freien oder ermäßigten Eintritt für bildende Künstler_innen gewähren, erweitern konnten – da beginnen einige potente Ausstellungsinstitutionen wegzubrechen. Sie möchten keinen freien Eintritt für Künstler_innen mehr gewähren. Warum?

International haben Künstler_innen in den großen Kunstmuseen und Ausstellungshäusern oftmals einen kostenlosen Zutritt. Warum müssen wir jetzt hierzulande wieder darum kämpfen? Warum jetzt? Gerade jetzt, wo die Fonds und Förderungen zur Abfederung von Einnahmenausfällen in der Pandemie eingestellt werden? Die IAA-Ausweise gehören zum gesellschaftlichen Lifelong Learning Agreement. Wenn wir nicht auf allen Ebenen Unterstützung erfahren, wie kann die Kunst in Österreich in ihrer Vielfalt bestehen bleiben? Was ist da passiert?

Im Gespräch bleiben. Türen offenhalten.

Und wie sieht es in der anrollenden Inflation mit gerechter Bezahlung und Entlohnung aus? Ohne Brot keine Kunst. Die IG Bildende Kunst hat in den letzten Jahren viel erreicht, aber noch immer werden auch in öffentlichen Institutionen keine adäquaten Honorare an Künstler_innen ausgezahlt. Was wir tun? Im Gespräch bleiben: mit den Ministerien, den Museen, den Ausstellungshäusern und auch den Festivals. Diversität wird dort gefordert, die Einbindung intersektional nichtprivilegierter Künstler_innen. Wie sollen wir es uns leisten können am Kunstgeschehen teilzunehmen, wenn wir für unsere Arbeit nicht adäquat entlohnt werden? Wenn kaum eine Institution in Wien Kinderbetreuung mitdenkt, damit die Erziehungsberechtigten in Veranstaltungen partizipieren können? Warum ist da immer noch so wenig passiert?

Die IG Bildende Kunst kämpft an neuen alten Fronten. Wenn wir über Lifelong Learning und intergenerationale Issues sprechen: Unser neuer Fokus liegt auf dem Altern, auf Ageism und auf der Wichtigkeit, Türen offen zu halten, für den Austausch zwischen den Generationen, für Förderungen von alternden Künstler_innen. Was muss hier passieren? Was können wir lernen?

Wir brauchen euch! Fürs Uns-Sein.

Und ja: Wir wollen intersektional auch stärker über Diaspora und Migration nachdenken, innerhalb unserer Brennpunkte und darüber hinaus. Was können wir vermehrt für unsere Mitglieder tun, die auch in anderen Sprachen denken, sprechen und träumen? Was braucht die IG Bildende Kunst, um Mehrsprachigkeit in der Vereinsarbeit leisten zu können? Wir brauchen dringend mehr Ressourcen und Mitarbeiter_innen die das leisten können. Wir brauchen die Stimmen der Mitglieder, um hörbar zu bleiben. Wir brauchen euch als Beschwerdechor nach Außen und als Unterstützer_innen nach innen, um in der Öffentlichkeit Gehör zu finden und auch unsere neuen Fokuspunkte kraftvoll vorzutragen  – vor den Ministerien, den öffentlichen Institutionen und den Multiplikator_innen der Gesellschaft. Wir wollen auch nach 65 Jahren weiterhin die treibende Kraft in der Kunstpolitik sein. Gemeinsam mit euch. Das ist passiert. Wir danken euch fürs Uns-Sein. Das ist passiert.


Das Cronical erscheint ab 2022 einmal jährlich als schlanke Sonderausgabe unserer Schriftenreihe Bildpunkt. CronicalChronicle (im Deutschen Aufzeichnung) bedeutet die zeitliche Anordnung von Fakten und Ereignissen, welche in einer Erzählform oder Diagramm dargestellt sind. Im Cronical der IG Bildende Kunst finden sich Artikel zu kunstpolitischen Themen, die uns intensiv beschäftigen: Was ist passiert? Was kommt in den nächsten Monaten?

Dreimal jährlich erscheint der Bildpunkt – Zeitschrift der IG Bildende Kunst –  zu einem Themenschwerpunkt, zu dem Theoretiker_innen, Künstler_innen und Aktivist_innen in unterschiedlichen Formaten Stellung nehmen. Zentral sind dabei ästhetische, aktivistische und theoretische Strategien samt ihrer gegenseitigen Verschränkungen und Überschneidungen.