Sehr geehrter Herr Finanzminister Markus Marterbauer,
sehr geehrter Herr Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler,
sehr geehrter Herr Bundeskanzler Christian Stocker,
sehr geehrte Frau Außenministerin Beate Meinl-Reisinger!
Seit mehr als einem Jahr ist Ihre Sparpolitik in sämtlichen Bereichen der Kunst und Kultur stark spürbar. Ausstellungen werden aufgrund von Planungsunsicherheiten verschoben oder in Folge unzureichender Budgets abgesagt. Künstler:innengespräche und Rahmenprogramm werden eingespart. Nun drohen – wie vor kurzem von der IG Kultur Österreich aufgezeigt – im Kunst- und Kulturressort des Bundes bis 2029 weitere Förderkürzungen von mehr als 60 Millionen Euro[1] und auch Länder und Gemeinden haben begonnen, große Sparmaßnahmen für die nächsten Jahre umzusetzen. Die Auswirkungen treffen Kunst und Kultur bereits in aller Härte, auf allen Ebenen.
Doch gerade in unsicheren Zeiten ist es besonders wichtig, auf gute und faire Bezahlung in Kunst und Kultur zu setzen. Die seit der gemeinsamen Fair-Pay-Strategie der Gebietskörperschaften im Juni 2022 erreichten Fortschritte müssen weiterverfolgt werden. Ziel muss bleiben, den Fair-Pay-Gap zu schließen und so Mindeststandards angemessener Bezahlung zu erreichen.
Sparpolitik ist eine Politik der Ausgrenzung
Schon jetzt drängt diese Sparpolitik immer mehr Künstler:innen und Kulturarbeiter:innen aus dem Feld. Auch durch das Aus der Zuverdienstmöglichkeit zum Arbeitslosengeld, müssen wir beobachten, dass immer mehr Künstler:innen ihrer Tätigkeit nicht länger nachgehen können. Diese Entscheidungen bestimmen, welche Stimmen sichtbar sind und gehört werden und welche nicht – wer es sich schlichtweg nicht mehr leisten kann am Diskurs teilzunehmen, bricht weg. Kürzungen in den Kulturförderungen haben massive Auswirkungen auf Planungssicherheit und Produktionsmöglichkeiten in einem ohnehin prekären Arbeitsfeld. Künstler:innen verlieren neben Ausstellungsmöglichkeiten auch Projektförderungen, (Arbeits-) Stipendien und Einzelfördermöglichkeiten.
Die Freie Szene ist am Limit
Angesichts dieser Sparpolitik ist unsere Arbeit in der Arbeitsgruppe Pay the Artist Now! von IG Bildende Kunst und Künstler*innen Vereinigung Tirol geprägt von Sorge um Akteur:innen und Communities in der Kunst- und Kulturbranche. Die Freie Szene ist am Limit, das erste Aufatmen durch Fair Pay Maßnahmen der vergangenen Jahre ist längst in der Inflation verpufft: Künstler:innen und freie Kulturarbeiter:innen sowie Initiativen kämpfen mit Überarbeitung, viele können sich solch unsichere Verhältnisse schlicht nicht (mehr) leisten. Durch schwindende Ressourcen sind wir einem steigenden Konkurrenzdruck ausgesetzt.
Wie können wir angesichts der aktuellen Lage einer Entsolidarisierung unter Künstler:innen und Kulturakteur:innen entgegenwirken? Mit Vehemenz fordern wir eine Weiterentwicklung von Fair Pay! Zu diesem Vorhaben haben auch Sie sich im Regierungsprogramm bekannt. Nur so können wir – Künstler:innen, Kulturarbeiter:innen und Publikum – weiterhin füreinander Sorge tragen und eine diverse und lebendige Kunst- und Kulturszene sicherstellen.
Sparen bei Kunst und Kultur heißt Sparen an der Demokratie
Die Teilhabe an kulturellen Aktivitäten stärkt die Demokratie und den sozialen Zusammenhalt, kulturelle Aktivitäten tragen zum Aufbau von Sozialkapital bei.[2] Last but not least: Kunst und Kultur fördern wichtige gesellschaftliche Diskurse. In der Präambel zum Regierungsprogramm halten Sie nicht zuletzt auch Armutsbekämpfung und die Wahrung unserer Demokratie als wichtige Agenden für eine erfolgreiche Zukunft fest.
Wir nehmen Sie beim Wort! Nehmen Sie von Einsparungen bei Kunst und Kultur Abstand. Investieren Sie in unsere Demokratie!
Mit freundlichen Grüßen,
Arbeitsgruppe Pay the Artist Now!
von IG Bildende Kunst und Künstler*innen Vereinigung Tirol
Innsbruck, Wien, am 23.04.2026
[1] Drohende Kürzungen in Kunst und Kultur ab 2027 (IG Kultur Österreich, 23.3.2026)
[2] Culture and democracy, the evidence (European Commission, 2023)
