Vasilena Gankovska - Vorstandsmitglied, 2026 beim Durchforsten des Archivs der IG Bildende Kunst (Foto: Dila Kaplan)

Die IG schafft es – eure Interessenvertretung – seit 70 Jahren

Brief an die IG Mitglieder

Hallo, liebe Kolleg:innen!
Hallo, liebe IG Mitglieder!

Im Zuge der Vorbereitungen für das 70-jährige Jubiläum unserer IG Bildende Kunst habe ich mich in den vergangenen Monaten intensiv mit Archivmaterialien beschäftigt. Dabei bin ich auf Dokumente gestoßen, die mich selbst überrascht und erinnert haben: Die Gründung des KSVF – und damit der Sozialversicherungs-Zuschuss für Künstler:innen – geht auf die Bemühungen des BVÖ (Berufsverband der bildenden Künstler Österreichs) zurück, wie die IG von 1956 bis 2000 hieß. Dieser wichtige Fakt war mir in dieser Klarheit nicht präsent.

Gerade weil ich der IG seit vielen Jahren als Mitglied und auch als Vorstandsmitglied verbunden bin, halte ich diese historische Information für bemerkenswert und möchte sie mit Euch teilen: 

Wer hätte gedacht, dass eine Aktion, ein Protest gegen das damals verabschiedete Allgemeine Sozialversicherungsgesetz (1954) den Beginn einer nachhaltigen Erfolgsgeschichte im Kampf um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für bildende Künstler:innen in Österreich markiert? 

Wer kann sich noch daran erinnern, dass es der IG zu verdanken ist, dass bildende Künstler:innen bei KSVF einen Zuschuss bekommen und dass es überhaupt einen solchen Zuschuss gibt? Damals, vor mehr als 60 Jahren als Künstlerhilfefonds, errichtet, um einen Anteil der Pensionsversicherungsbeiträge abzudecken. Die IG Bildende Kunst hat für dessen Gründung gekämpft. 

Wer kann sich noch erinnern, dass es damalige Vorstandsmitglieder waren, die die Idee gegeben haben für eine Institution für zeitgenössische Kunst im ehemaligen Messepalast in Wien? Das ist heutzutage unser Museumsquartier, mit der Kunsthalle Wien und weiteren Häusern. 

Weiß noch jemand, dass es die IG damals war, die sich unermüdlich für bessere steuerliche Bedingungen und Berücksichtigung der Urheber:innenrechte von bildenden Künstler:innen eingesetzt hatte? 

Well, dass wissen wir jetzt schon, denn die Archive der IG Bildende Kunst bewahren all diese wertvollen Erinnerungen und Geschichten. Das zeigt einmal mehr, wie nachhaltig und wirkungsvoll kollektives kunstpolitisches Engagement sein kann – oft über Jahrzehnte hinweg, manchmal auch über das individuelle Erinnern hinaus.

Ich, jedenfalls, bin mittlerweile davon überzeugt, dass IG Bildende Kunst eine der coolsten Interessenvertretung für bildende Künstler:innen weltweit ist (glaubt mir, ich habe seit 2015 die IG bei IAA Europe und IAA/AIAP vertreten und konnte viele andere, tolle Organisationen kennenlernen). Und ich bin auch davon überzeugt, dass wir auf unsere Interessenvertretung stolz sein können, denn alles, was wir heutzutage als Gegebenheit betrachten, ist das Ergebnis jahrelanger Kämpfe, Verhandlungen und Aktionen. 

Die Situation ist bei Weitem noch nicht ideal. Es gibt noch viel zu erreichen und Errungenschaften aktuell sogar vor Streichungen zu schützen, deswegen lohnt es sich weiterhin Mitglied zu bleiben und Kolleg:innen als Mitglieder zu gewinnen.

Oder wie es ein ehemaliges Vorstandsmitglied 1983 formulierte: „Jeder von uns hat seinen Platz in der Ganzheit der Kunst“ (Prof. Carry Hauser, Broschüre zu 25 Jahre BVÖ).

Ich für meinen Teil verstehe die erneuerte Erkenntnis als Einladung, unsere eigene Geschichte wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken und sie als Teil einer gemeinsamen berufspolitischen Kontinuität zu begreifen. Das Jubiläum bietet dafür einen guten Anlass: Wir starten am 29.1.2026 ab 18 Uhr mit einem spannenden Programm im Rahmen der IG Timeline bei uns in der Gumpendorfer Straße, 1060 Wien. 

Nur gemeinsam sind wir stark und können allen Herausforderungen entgegentreten!

Kommt und tretet der coolsten Interessenvertretung bei!

Mit kollegialen Grüßen!

Vasilena Gankovska, Vorstandmitglied und Kuratorin der Ausstellung IG Timeline. 70 Jahre IG Bildende Kunst


Für die Transparenz

Die IG Bildende Kunst hält fest, dass die Gründung des KSVF aus den Bemühungen von Künstler:innenverbänden / Vereinigungen und Interessengemeinschaften aller Kunstsparten hervorgeht. 
Im Brief zur IG Timeline – Time in Space wird betont, dass die IG Bildende Kunst bei dieser Gründung sehr bemüht war, ohne die weiteren Akteur:innen zu nennen. Dies geschieht nicht, um diese auszublenden und historisch belegbare Fakten auszusparen.Es geht darum, auf Errungenschaften aufmerksam zu machen, an denen die IG Bildende Kunst beteiligt war und darum als IG-Mitglied darauf stolz sein zu dürfen, dass die Künstler:innen in Österreich aktiv wichtige Berufsstrukturen für sich erkämpft haben und nicht passiv auf ministerielle oder Regierungsentscheidungen gewartet haben.

Seit der Gründung der IG Bildende Kunst als BVÖ vor 70 Jahren ist es ein wichtiges Anliegen, sich für die soziale Absicherung der bildenden Künstler:innen in Österreich einzusetzen. Dieses Anliegen blieb auch nach der Umbenennung von BVÖ in IG Bildende Kunst im Jahr 2000 zentral. Die aktuelle Jubiläumsausstellung greift die Geschichte der IG Bildende Kunst auf und macht darauf aufmerksam, dass die Geschichte des BVÖ darin mit eingeschlossen ist. Nur so können wir dafür sorgen, dass diese 70 Jahre BVÖ / IG Bildende Kunst komplett dargestellt werden. 

In diesen 70 Jahren hat die IG mit vielen Partner:innen, Mitstreiter:innen und Künstler:innenvereinigungen gearbeitet und Schulter an Schulter gekämpft. Dieses gemeinsame Engagement ist ein wichtiger Teil der Geschichte der IG Bildende Kunst, die bis 19.10.2026 in unseren Räumlichkeiten erzählt wird.