Künstlerische Positionen: Scheitern

Drei künstlerische Beiträge begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.

Bildstrecke: Julia Gaisbacher
Mittelposter: Jakub Vrba
Rückseite: Bella Ban und Viktor Rogy

In der Bildstrecke zeigen wir One Day You Will Miss Me (2017–2022), eine Arbeit der Fotografin Julia Gaisbacher. Sie dokumentiert die massiven Einschnitte, die das Immobilienentwicklungsprojekt Belgrade Waterfront hervor-gerufen hat. Finanziert von der Investorengruppe Eagle Hills zählt es zu den größten Bauvorhaben in Europa und transformiert seit 2015 die Stadtlandschaft Belgrads nachhaltig. Überdimensionale Glas- und Stahlgebäude kontrastieren mit der historisch gewachsenen Stadt und dominieren den Alltag Belgrads stadt-planerisch, ökonomisch und visuell. In urbanen Porträts hielt Julia Gaisbacher den Status quo des Stadtgefüges sowie bauliche Veränderungen fotografisch fest. Die Arbeit wurde zu einem Archiv der sich verändernden Stadt und in weiteren Be-trachtungsschritten auch zu einer visuellen Metapher für politische Entwicklungen und urbane Transformationen, die im globalen Kontext lesbar sind. Breit organisierte zivile Proteste konnten die Umsetzung des Projektes nicht verhindern.

Das Poster ist eine Zeichnung des in Karlovy Vary geborenen und in Wien lebenden Künstlers Jakub Vrba. Seine künstlerische Arbeit setzt sich hauptsächlich aus Zeichnung, Skulptur, Video und Film zusammen. Aber nicht nur. Die Comics und Zeichnungen finden Platz auf Seiten von Magazinen sowie als Teil von kollektiven Projekten. Auch baut er (pyrotechnische) Skulpturen und Kostüme in der Tradition des Barocktheaters. In seiner Arbeit adressiert Vrba die Begriffe von Spektakel, Pathos, unbezahlter Arbeit, und die Diktatur der Alltagskontingenz. Er tut dies durch Stellung und Nachstellung, Probe, Studie des Raumes, durch formelle und metaphorische Übungen und manchmal mit Humor. Hier zeigt er, so könnte man meinen, ein vielleicht gescheitertes (oder nie eingelöstes) Versprechen neoliberal durchdrungener Kreativindustrie-Formate.

Auf dem Backcover zeigen wir ein Bild von Bella Ban und ihrem Partner Viktor Rogy (1924–2004), der als „Extremkünstler“, Einzelkämpfer, politischer Aktivist und zum Teil durchaus ungut beschrieben wird (er selbst sprach von sich wohl als „Kettentrinker“). Dass seine Person und sein Werk so schlecht einzuordnen sind und es trotz viel Aufmerksamkeit zu Lebzeiten in keinen Kanon geschafft haben, mag aber vielleicht eher als Erfolg Rogys zu verbuchen sein. Bella Ban und Rogy betrieben ab 1996 das Café OM in Klagenfurt. Das Künstlercafé präsentierte sich selbst als Kunstwerk – ein einziger Tisch stand in einem weißen Raum, an dem günstige Getränke konsumiert werden konnten. Als 1999/2000 erstmals die Beteiligung der FPÖ an der Regierung verhandelt und dann umgesetzt wurde, stellte Rogy nach der Angelobung alle Regierungsmitglieder mit Hitlerbärtchen versehen in den Schaufenstern des OM aus, was international Aufmerksamkeit erregte.
Foto: Johannes Puch