Kommunal- und global-politische Aspekte des Umgangs mit Wasser

Österreichischen Gemeinden lag es schon immer am Herzen, der Bevölkerung die künstlerischen Aspekte des Wassers näher zu bringen. War es in der Vergangenheit zum Beispiel die schöpferische Gestaltung von Brunnen, Brücken und Stegen, so sind es nun vermehrt Installationen zur Kühlung (Sprühnebel, Wasserzerstäuber, bodengleiche Wasserdüsen), Wasserspielplätze, (interaktive) Ausstellungen und Initiativen rund um Wasser als Lebensraum, rund um die physikalischen und chemischen Aspekte von Wasser, rund um umweltproblematische Gesichtspunkte und Herausforderungen, die ein zu viel oder zu wenig Wasser mit sich bringen – Erosion, Hochwasser, Verschmutzung, Dürre, Trinkwasserknappheit. In den vergangenen über 100 Jahren wurden große Meilensteine in der Siedlungswasserwirtschaft erreicht – die Wasserversorgung funktioniert österreichweit im Großen und Ganzen einwandfrei und ohne gesundheitliche Bedenken, die Abwasserentsorgung verläuft in geregelten Bahnen. Seuchen wie im Mittelalter sind Geschichte.

Jetzt gilt es, all diese Errungenschaften zu bewahren: Die in die Jahre gekommenen Ver- und Entsorgungssysteme müssen sukzessive saniert und erneuert, die auf damaligen Stand dimensionierten Anlagen entsprechend entlastet werden. Es ist Mode geworden, die uneingeschränkte Einleitung von Dachwässern in die Kanalisation zu genehmigen, anstatt das anfallende Regenwasser auf Eigengrund zu sammeln oder zu versickern. Zusammen mit den Straßenabwässern bringen diese zusätzlichen Wassermassen die Regenwasserkanalisation an ihre Grenzen. Auch bei versiegelten Flächen – Straßen, Parkplätzen, Gebäude und Industriebauten – wird noch viel zu selten an die ausreichende Speicherung bei Starkregenereignissen gedacht, die uns zusehends beschäftigen. Bäche und Flüsse wurden jahrzehntelang begradigt und eingeengt, ihre Ausbreitung unterdrückt, Retentionsraum vermindert, sodass Siedlungen nicht selten bis an die Ufer heranreichen. Die Folgen sind oft fatal – und teuer.

Die Kunst wird sein, sich wieder auf ein nachhaltiges (Regen)wassermanagement zu besinnen und nicht mehr weiter zu wurschteln wie bisher:

→ Regenwasserversickerung am Ort der Entstehung und damit Speisung und Neubildung des Grundwassers (durch Entsiegelungsmaßnahmen, Regenwasserspeicher, etc.)
→ striktes Bauverbot in Hochwassergebieten, Renaturierung von Flüssen und Bächen
→ Naturbasierte Lösungen zum Schutz vor Hochwasser und Hangwasser
→ Aufrüstung von Kläranlagen, um modernen Umweltproblemen Herr zu werden (Mikroplastik, Arzneimittelrückstände, Ewigkeitschemikalien wie PFAS etc.)
→ Temperaturverminderung bei Hitzetagen und Verbesserung des Lokalklimas zum Beispiel mittels Baumpflanzungen, entsiegelten Flächen, Dach- und Fassadenbegrünung oder durch das Schwammstadtprinzip

Momentan erscheinen diese Maßnahmen teuer, Gemeinden werden tief in die Tasche greifen müssen – und es ist eigentlich eine Kernaufgabe der Kommunen, sich darum zu kümmern! Aber in Zeiten von Budgetknappheit werden diese Aufgaben in den Hintergrund gedrängt. Äußerst schade. Denn langfristig könnte dadurch sehr viel Geld gespart werden – jene Ausgaben, die für die Sanierung von Hochwasserschäden, Kompensationsmaßnahmen aufgrund von Trockenheit und steigende Gesundheitskosten durch höhere Temperaturen (Hitzenächte) anfallen.

Es gilt schließlich, sich nicht nur den neuen Herausforderungen durch geänderte Rahmenbedingungen wie vermehrte Trockenheit und Starkregenereignisse zu stellen, sondern sich wieder verstärkt auf die ursprünglichen Aufgaben der Siedlungswasserwirtschaft zu besinnen – mit der Natur zu arbeiten, die Gegebenheiten vor Ort zu berücksichtigen, die aktuellen (Stark)regenereignisse zu nutzen anstatt zu verteufeln und dem Wasser wieder seine Freiheit zurückzugeben und genügend Platz zu lassen. Vielleicht kommt dann für die Kunst auch wieder die Zeit, sich den idyllischen und romantischen Gesichtspunkten rund um das Wasser zu widmen. 


Martha Wepner–Banko hat Kulturtechnik und Wasserwirtschaft an der Universität für Bodenkultur in Wien sowie in Sydney, Australien studiert, lebt in Klosterneuburg, war Gemeinderätin für die Plattform Unser Klosterneuburg (PUK) und arbeitet in Wien.