Die Pharmaindustrie sagt,
dass sie
wegen der Verfügbarkeit einer großen Anzahl
von Personen,
die nie Medikamente nehmen,
ihre Versuche dort durchführen lässt,
wo man nie Medikamente nimmt.
Sie lässt
eine große Anzahl von Verträgen
mit dem Daumen unterzeichen.
Die Todesrate der Unterzeichner
steigt proportional
zur Anzahl der Versuchsreihen.
Die Anzahl der Versuchsreihen
dort, wo man nie Medikamente nimmt,
stieg seit 1990
um 2000 Prozent.
Im Jahr 2010
starben in Indien
668 Personen
bei diesen Versuchen
Bis 2009
erhielten die Familien der Toten
keine Entschädigung.
2010
zahlte der Konzern Bayer
an 5 von 138,
der Konzern Sanofi Aventis
an 3 von 152 Familien
50.000 Rupien,
was 3.125 US Dollar sind
und was ein Taxifahrer dort
in einem Jahr verdient.
Während man 2008
doch in Deutschland
für 1 Tote
60.000 Euros zahlte.
Was ja nicht abgewägt werden soll,
weil man beim Sterben doch gleich ist,
was man aber so unwillkürlich tut,
wie die Pharmaindustrie in ihrer Kalkulation fortschreitet,
und wo man diese Abwägung verknüpft
mit der Unmöglichkeit der Verfrachtung von Recht,
das dort festgenagelt zu sein scheint,
wo man Medikamente nimmt.
Das Gedicht war Teil der Ausstellung Das Establishment der Tatsachen, 2012 in der Galerie KOW in Berlin.
Alice Creischer ist Künstlerin und Autorin und lebt in Berlin und Wien. Sie lehrt zurzeit zusammen mit Andreas Siekmann an der Akademie der bildenden Künste Wien.
Quelle: [e-drug] Poor compensation to MNCs clinical trials victims, From: Chandra Gulhati <seeemgee@ythoo.co.uk>
