Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen.
Bildstrecke: Ernesto Salmerón, www.ernestosalmeron.com
Poster: Raqs Media Collective, www.raqsmediacollective.net
Rückseite: Klub Zwei, www.klubzwei.at
Ernesto Salmerón lebt und arbeitet in Managua, Nicaragua. Seit 1996 arbeitet er an seinem dokumentarischen Projekt Auras de guerra, indem er sich mit der Sandinistischen Revolution be schäftigt. Vor dem Hintergrund der künstlerischen Forschungsfra ge nach dem revolutionären öffentlichen Raum Nicaraguas doku mentiert er in Videos und Fotografien sehr oft gerade dessen Fehlen und markiert damit historische Leerstellen. An der Schnittstelle von Erinnerung und Zukunftsvision fordert er ge genwärtige Realitäten heraus: In der Arbeit El Muro – die im Rah men des Projekts für die diesjährige 50. Biennale von Venedig entstand – dokumentiert er etwa die musealen Reaktionen auf seine Aktion: Er stellte die Wand von einem Kolonialhaus in Granada, Nicaragua, auf der ein Graffitti Augusto C. Sandinos zu sehen ist, als sein Kunstwerk aus. Die Bildstrecke „Retratos con telón” porträtiert die Suche nach der Revolution und dem Kollek tiv: Sie zeigt Personen auf dem ehemaligen Platz der Revolution (am Jahrestag der Sandinistischen Revolution, dem 19. Juli 2000).
„Alle haben das Recht, Rechte zu haben. Alle genießen das Recht, nicht gleich zu sein.“ Mit diesen Worten beginnt die „All gemeine Erklärung der Ent-sicherung“, die auf der Rückseite die ser Ausgabe des Bildpunkt zu lesen ist. Sie wurde im Rahmen des Projektes Terra Secura / Festival der Regionen 2007 verfasst. Terra Secura ist ein Projekt von maiz – autonomes Zentrum von und für Migrantinnen – in Kooperation mit Klub Zwei, Vlatka Frketic ´ und Araba Johnston-Arthur. Klub Zwei, Simone Ba der und Jo Schmeiser, verstehen sich als Künstlerinnenkollektiv und arbeiten seit 1992 an der Schnittstelle von Kunst, Film und neuen Medien. Im Zentrum ihrer Arbeit stehen aktuelle gesell schaftspolitische Themen und auch die Mittel, mit denen diese in den Medien dargestellt werden. „Denn die Möglichkeit zu gesell schaftlicher Veränderung hängt auch wesentlich von den Reprä sentationspolitiken ab, die sie begleiten.“, schreiben die Künstle rinnen. Ihre kollektive Arbeit besteht kontinuierlich darin, Formen der egalitären Kooperation zu entwickeln. Diese Kollektivierung der Konzeption ist allerdings nicht nur ermöglichend, sondern mitunter auch verhindernd – geht es doch auch um eine Umver teilung von Definitionsmachtverhältnissen. So endet die Erklärung auf der Rückseite auch mit dem deduktiven Verbot: daher ist ab jetzt die Rede der Mehrheitsgesellschaften von der vermeintlichen „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ untersagt.
Das Mittelposter zeigt eine Fotoarbeit des indischen KünstlerInnen kollektivs Raqs Media Collective (Jeebesh Bagchi, Monica Narula, Shuddhabrata Sengupta). Der kollektive Name Raqs (das persische Wort für wirbelnde Derwische) könnte, so die KünstlerInnen, auch als Akronym für „rarely asked questions“ verstanden werden. Tatsächlich haben die KünstlerInnen in den letzten Jahren in zahl reichen Videoarbeiten und Installationen politische, radikale und kritische Fragen zu Translokaliät, globalisierten Ausbeutungsver hältnissen und der Verteilung von Ressourcen und Medien in die internationale Kunstöffentlichkeit getragen. Das Mittelposter nimmt auf das Thema des Heftes Bezug und setzt Kollektivität konzep tuell als den Schatten aller Dinge: „So wie die Konturen des Schat tens ineinander übergehen, verschwimmen auch diskrete Gren zen. Und so wie das Licht den Schatten verlängert und verkürzt, ändert auch die Kollektivität ihre Dimension.“ Vielleicht haben die, die im Licht stehen und dort bekanntlich gesehen werden, von jenen Kollektivkräften, die sich im Schatten entwickeln, wo sie bekanntlich nicht so sichtbar ist, noch einiges zu erwarten.
