Bildstrecke: Carmen Carmona
Poster: Robert Blasko
Rückseite: Mara (Serigne Mor Niang)
Als künstlerische Aneignungsstrategie gründete Carmen Carmona die fiktive Firma Movalatex und ließ sie real in Sevilla registrieren. „Movalatex beschützt dich!“ ist der Slogan, unter dem sie methodisch zwischen Überaffirmation und Forschungsprojekt mit dem realen Kapitalismus verhandelt. Das Konzept „Schutz“ dient dabei der Hinterfragung einer „Kultur des Schutzes“, die von den Monopolen des intellektuellen Eigentums unterstützt wird. Mit der eingetragenen „Trademark“ Movalatex entwickelt sie eine copyleft-Taktik, die ihre Techniken und die Ergebnisse ihrer Arbeit für andere KünstlerInnen und Öffentlichkeiten zugänglich macht. Movalatex proklamiert, dass Wissen nur existieren kann, wenn es geteilt wird. Die Bildstrecke zeigt Ausschnitte aus dem Projekt. Carmen Carmona lebt und arbeitet jetzt in Wien.
Mara (Serigne Mor Niang) graduierte 2002 von der Nationalen Kunstschule in Dakar. Er lebt in Wien und arbeitet in den Bereichen Design, Video, Fotografie, Malerei und Installation. 2006 stellte der den offiziellen Beitrag Senegals zur Dak’Art (Biennale von Dakar). Seine künstlerische Produktion thematisiert historische, politische und gesellschaftliche Verhältnisse, die er mit Mitteln des cultural jammings in neue Zusammenhänge stellt. Die Arbeit Never raus auf dem Rückencover dieser Ausgabe verweist auf die Allgegenwart der rassistischen Beschmierungen im öffentlichen Raum Wiens. Die Aneignung verschiebt dabei die Aussage grundlegend – nimmt sie doch Bezug auf die Selbstverständlichkeit, bleiben zu wollen und auf das Selbstverständnis des selbstbewussten Kampfes um Anerkennung und Selbstbestimmung. „Never Raus“ wurde im Rahmen der Ausstellung „Mara / Reconstructions“ im Werftgalerie-Offspace von 16. bis 30. November 2006 gezeigt. Copyright Foto: Kunstwerft, www.kunstwerft.at
Das Mittelposter entwickelte Robert Blasko in Kooperation mit dem Grafik Designer Patrik Svoboda. Robert Blasko ist Begründer des centre for contemporary art Stanica in Zilina, Slowakei. Die Arbeit ist eine Appropriation der Marke Renault, die mit dem Anagramm Naturel auch im zentralen Schriftzug zitiert wird. Sie ist Teil einer Serie bestehend aus zahlreichen Fotos, die zwischen 1993 und 2002 entstanden ist und eigentlich gar nicht für die Öffentlichkeit gemacht wurde. Bei der Eröffnung seiner letzten Ausstellung nannte er eine Reihe zentraler Begriffe, die für seine Arbeit von Bedeutung sind: Analoge Technologien, Garage-Bands, Syd Barrett Songs, billige Drogen, Gitarren und „Anomien“. Mit dem Begriff „Anomie“ (Durkheim) nimmt er Bezug auf die Transformationsprozesse im Postkommunismus. Er meint: „Die schnelle Veränderung der Gesellschaft produziert einen Zustand der Verwirrung in Bezug auf Normen und die zunehmende Unpersönlichkeit des sozialen Lebens, das vielleicht zu einer relativen Normlosigkeit führt, d.h. die Störung eines die sozialen Normen regulierenden Verhaltens. Aus einem Zustand der Anomie resultieren alle möglichen Formen devianten Verhaltens, in besonderem Maße der Selbstmord.“
Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen.
