Fokus-Kakophonie Editorial
#11 zwei, drei, viele… achtundsechzig, Frühling 2008
Ohne die „öffentlich geächteten Sprachen, ausländische Sprachen, Sprachen von Feinden, undeutsche Sprachen“ wäre das Sprechen der Neuen Linken kaum denkbar gewesen. Für Klaus Theweleit war das der „Kern von ’68“, die Reaktion auf die Vernichtung der vielen Stimmen, die die Nazis angerichtet hatten: „das Aufbrechen der Stimmen aus den vielen Orten des aufgezwungenen Schweigens“.
Ein paar dieser Stimmen haben wir in diesem Bildpunkt einzufangen und entgegen allgemeinen Gepflogenheiten laut aufzudrehen versucht: Dass es in Mexiko eine 68er-Bewegung gab, die trotz... mehr
Drei künstlerische Positionen: zwei, drei, viele… achtundsechzig
Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.
Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen. Poster: Lisl Ponger Rückseite: Gülsün Karamustafa Bildstrecke: Heidrun Holzfeind Seit 2005 beschäftigt sich Heidrun Holzfeind mit der StudentInnenbewegung von 1968 in Mexiko. Für die Bildstrecke des Bild punkt verbindet sie Fotografien der modernistischen Architektur des zentralen Campus der UNAM...mehrThe whole world is watching
„1968“ aus postkolonialistischer Perspektive I
Reden wir einmal nicht über 1968. Reden wir stattdessen über 1961. Am Anfang dieses Jahres rebellieren Studierende in Korea nach der dubiosen Wiederwahl des südkoreanischen Diktators Syng-Man Rhee. Nachdem bei einer Massendemonstration 100 Studierende von der Polizei erschossen und 750 weitere verletzt werden, entsteht eine ungeahnte Solidarisierungswelle, die Diktator Rhee dazu zwingt, nach Konsultation mit...mehrThe great wake-up call
„1968“ aus postkolonialistischer Perspektive II
Am 17. Januar 1961 wurde Patrice Lumumba ermordet. Der erste Ministerpräsident des von Belgien unabhängigen Kongo, dessen Name heute vor allem als kakaohaltiger Cocktail ins kollektive Gedächtnis westlicher ClubbesucherInnen eingeschrieben ist, galt als Hoffnungsträger der antikolonialen Befreiungsbewegungen. In den Mord verwickelt war nicht nur der CIA und die belgische Ex-Kolonialmacht, sondern auch sein Nachfolger als...mehrDie Neue Frauenbewegung und die 1968er Bewegung
Skizze einer Hassliebe
Die Beziehung zur 68er Bewegung war schwierig, aber für die Entstehung der Frauenbewegung von großer Bedeutung. In vielen Ländern gründeten sich erste Frauengruppen vor dem Hintergrund von durch die 68er Bewegung hervorgebrachten Mobilisierungskontexten, die sich förderlich auf die Bereitschaft von Frauen auswirkten, an einem „revolutionären“ Projekt mitzuwirken und die Verständigung unter Frauen erleichterten. Dies war...mehr… fröhlicher außerhalb der Institutionen
zwei, drei, viele … achtundsechzig im Gespräch. Mit Ines Doujak und Luisa Ziaja
Im Zuge der Politisierung um 1968 kam es einerseits zu einer kritischen Auseinandersetzung mit institutionellen Logiken. Institutionen wurden mit aktivistischen und künstlerischen Mitteln sowohl radikal in Frage gestellt wie strategisch unterwandert, ebenso verlassen und durchbrochen wie verändert und neu gegründet. Im Anschluss daran wurde andererseits der „Marsch durch die Institutionen“ von einer gegenhegemonialen Strategie zu einer legitimatorischen Rhetorik: Dabei schien es mitunter so, als diente er bloß zur Überbrückung des kurzen Moments der Scham, während die Seite von der Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen zu den Instanzen ihrer Legitimation gewechselt wurde. Uns interessiert, welche aktuellen Fragen sich im Spannungsfeld Institution/Kunst/Kritik heute ergeben, was wir dabei von 68 lernen können, was daran zu verwerfen wäre und wie ihr euch dazu positioniert.
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