Was tun und was nicht

#12 NichtAllesTun, Sommer 2008

Die kurze Schrift Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat (1849) von Henry David Thoreau (1817–1862) gehört zu den einflussreichsten Texten sozialer Bewegungen des 20. Jahrhunderts. Die darin formulierte Aufforderung zum Gesetzesbruch wurde zum Kern zivilen Ungehorsams: „… wenn aber das Gesetz so beschaffen ist“, schrieb Thoreau, „dass es notwendigerweise aus dir den Arm des Unrechts an einem anderen macht, dann, sage ich, brich das Gesetz.“ Von Thoreau selbst angesichts von Sklaverei und der US-Intervention in Mexiko (1846–1848) als individuelle Gewissensfrage formuliert, entwickelten... mehr

Beitrag teilen

Drei künstlerische Positionen: nicht alles tun

Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen. Ausgewählt und zusammengestellt von Nora Sternfeld, Eva Dertschei und Carlos Toledo in Zusammenarbeit mit den KünstlerInnen.

Poster: Etcétera Rückseite: Carolina Caycedo Bildstrecke: Murmel Comics Eine Demonstration mitten in einer Demonstration – vielleicht als solidarischer Ungehorsam – zeigt das Mittelposter dieser Ausgabe. Das Kollektiv Etcétera wurde 1997 in Buenos Aires gegründet und besteht aus Leuten, deren Praxis an der Schnitt  stelle zwischen Poesie, Theater, Bildender Kunst und Musik angesiedelt ist. 1998 besetzten...mehr

Elektrohippies und andere Störer im Cyberspace

Vom zivilen Ungehorsam zum elektronischen Widerstand

Der elektronische zivile Ungehorsam wurde Mitte der 1990er Jahre von einer Reihe von Kollektiven an den Schnittstellen von Kunst, radikaler Politik und Technologie als neue Protestform im Cyberspace zunächst theoretisch propagiert. Die damals zunehmende Kommerzialisierung des Internet bewog AktivistInnen wie KünstlerInnen gleichermaßen, das Internet auch als politischen und sozialen Aktionsraum zu etablieren. Im Umfeld der...mehr

Ich habe gelernt …

Er hat mich gesehen, leicht genickt. Ich existiere. Dankbarkeit und Freude durchströmen mich. Moskau, Dubai, Peking. Der Kunst markt boomt und ich bin dabei. Der Blick des Galeristen hat mich in meine Zukunft sehen lassen. Einstweilen lebe und arbeite ich in prekären Verhältnissen, aber bald … Das Notwendige zum Leben verdiene ich nicht durch künstlerische...mehr

… der Gestus des alltäglichen Ungehorsams

nicht alles tun im Gespräch. Mit Lorena Betta, Inne Martino und Fabricio Caiazza.

Bildpunkt: Wir möchten die Buchmesse in Buenos Aires, die als internationale kulturelle Veranstaltung und größte Buchmesse in der spanischsprachigen Welt breite Bekanntheit genießt und die immer wieder Anlass für Aktionen wurde, zum Ausgangspunkt nehmen, um euch, ein KünstlerInnenkollektiv und eine Theoretikerin, zum Schwerpunktthema unserer Ausgabe zu befragen: nicht alles tun. Es handelt von zivilem Ungehorsam,...mehr

Just don’t do it

Zum Beispiel rassistische Beschmierungen auf Hauswänden. Sollte man nicht tun. Vorbeigehen. Wiener Fiakerpferde bekommen Scheuklappen verpasst, damit sie nicht von Umgebungseindrücken abgelenkt werden in ihrem Trott. Nicht alles sehen. Wobei in Wien, der unangefochtenen Welthauptstadt des Hauswandrassismus, die Aufforderung „nicht alles tun“ als Motto erstmal absurd wirkt. Als würde Wien versinken in überbordender Aktivität und...mehr

Nicht alles tun?

Den Staat wegen systematischer Preisgabe, Ghettoisierung und systematischem Raub des gesamten Sektors des unabhängigen kulturellen und sozialen Lebens anklagen!

Am 31. März 2008 veröffentlichte die 2007 in Ljubljana, Slowenien, gegründete, künstlerisch-politisch-theoretische und diskursive Platt form Reartikulacija (Reartikulation) eine Resolution zur Veränderung des Stands der Dinge hinsichtlich der an unabhängige soziale und künstlerische Orte in Slowenien vergebenen Räume und Geldmittel. Diese war an den Bürgermeister der Stadt Ljubljana, an die Regierung und einzelne Sektoren der...mehr

Meditaktion: nicht alles tun

Vergangenen Freitag, nach einem verregnetem Nachmittag, als es wieder anfing aufzuheitern, spazierte ich in die Innenstadt von Sevilla, die Stadt in der ich lebe, und setzte mich im Yoga Sitz, an einem belebten Ort in der Fußgängerzone, meine Atmung genießend und zu meinem Körper zurückkehrend, für eine gute Weile einfach auf den Boden. Mit geschlossenen...mehr

Vom zivilen zum sozialen Ungehorsam und zurück?

Nach den Protesten gegen den G8-Gipfel in Genua 2001 erklärte Luca Casarini, einer der SprecherInnen der Tute Bianche in Italien, dass die Phase des zivilen Ungehorsams zu Ende sei und nun zum sozialen Ungehorsam übergegangen werden müsse. Diese Aussage wirft vor allem Fragen auf: Was ist gemeint mit zivilem Ungehorsam? Warum hat er sich erschöpft?...mehr

nicht alles tun im Buch

Peter Brückner: Ungehorsam als Tugend. Zivilcourage, Vorurteil, Mitläufer, Berlin 2008 (Wagenbach Verlag). Critical Art Ensemble: Elektronischer Widerstand, Wien 2008 (Passagen Verlag). Harald Falckenberg: Ziviler Ungehorsam. Kunst im Klartext, Regensburg 2002 (Lindinger + Schmid Verlag). Initiative Libertad (Hg.): go.to/onlinedemo. Handbuch Online Aktivismus, Frankfurt a. M. (Verlag edition libertad). Um sich von kriminellen Taten abzugrenzen, sind Gesetzesbrüche...mehr

Kunst- und Kulturpolitik

Mindestsicherung? Sicher nicht.

Warum die geplante, so genannte Mindestsicherung nicht nur für Kunstschaffende ein Etikettenschwindel ist

Nach Jahren inhaltsleerer Vorankündigungen zur Einführung einer Grundsicherung in Österreich ist nun erstmals Konkretes öffentlich: Statt einem bundesweiten Gesetz ist eine Vereinbarung zwischen Bund und Ländern zur Schaffung von Mindeststandards in der Ausgestaltung der Sozialhilfe geplant, die im Kern nicht mehr als eine Umbenennung der Sozialhilfe in „bedarfsorientierte Mindestsicherung“ vorsieht. Ende April hat das Bundesministerium...mehr

Künstlersozialversicherungsfondsgesetz neu – jetzt beschlossen

Keine Forderung des Kulturrat Österreich erfüllt

Kurze Zeit nach ihrer Bestellung plädierte Unterrichts und Kulturministerin Claudia Schmied in der Sendung Hohes Haus im ORF für eine Abschaffung der Einkommens-Unter grenzen als Zuschussvoraussetzung beim Künstlersozialversicherungsfonds (KSVF). Schmied nannte die Situation, in der bei bestehender SVA-Versicherung jährlich rund 800 Personen Pensionszuschüsse zurück zahlen müssen, weil sie zu wenig Einnahmen aus ihrer künstlerischen Tätigkeit...mehr