Ordnungsweisen hinterfragen.
#24 anarchivieren, Herbst/Winter 2011
Das Archiv bewahrt nicht nur auf, sondern es versteckt auch. Bei Michel Foucault etwa ist das Archiv kein mit staubigen Regalen vollgestellter Kellerraum, sondern fast so etwas wie eine Methode: Durch das Archiv wird historisches Erscheinen geregelt, das Aufkommen und Abtauchen von Denkmöglichkeiten. So gesehen ist es also nicht nur eine Lagerstätte, sondern viel eher der Zugriff darauf und es umfasst zugleich die Regeln, nach denen dieses Zugreifen organisiert ist. Hinsichtlich der Kunst hat der Kurator Bassam El Baroni auf dem global art-Symposium, das Ende Juli 2011 in Salzburg stattfand, vorgeschlagen, das... mehr
Drei künstlerische Positionen: anarchivieren
Drei künstlerische Positionen begleiten jede Ausgabe des Bildpunkt und sind als eigenständige Kommentare und Reflexionen zum jeweiligen Thema des Heftes zu verstehen.
Poster: Anthony Auerbach Rückseite: Uli Stelzner Bildstrecke: Anetta Mona Chisa und Lucia Tkacova Mit Lichtstrahl in die Vergangenheit betitelt der Regisseur Uli Stelznerdie Überlegungen zu seinem Film La isla – Archive einer Tragödie über das 2005 in Guatemala entdeckte Geheime Archiv der Nationalpolizei, dem die Rückseitedieser Ausgabe gewidmet ist. Er konfrontiert sich selbst mit zahlreichen...mehrArchival Practices, die Akten verlassen das Archiv.
Sprechen wir gemeinhin von Archiven, ist meist ein scheinbar ‚nur’ bürokratischer Ort der Verwaltung von verschiedenen Medien gemeint. Sogenanntes Archivgut sind u. a. Akten, Karten, Pläne, Bild-, Film- und Tonaufnahmen sowie elektronische Daten, die einen wie auch immer gearteten bleibenden Wert besitzen, der durch nationale Archivgesetze festgelegt ist. Diese Orte sind Horte jeder Art historischer...mehrDe-Archivierung!
Der Begriff „Archiv“ scheint vor allem einen Ort zu beschreiben der hierarchisch organisiert ist und Ausschlüsse produziert. Eine exklusive Institution, die suggeriert, man solle eigentlich bereits wissen, wonach man sucht, bevor man sich ins Archiv begibt. Man muss in dieser mit dem WortArchiv verbundenen Vorstellung also bereits Expertin sein um auf die Idee zu kommen...mehr... weil die Ein- und Umschreibung ein Teil der Kämpfe selber ist
anarchivieren im Gespräch mit Marissa Lôbo und Ljubomir Bratić
Diese Ausgabe des Bildpunkt widmet sich dem Thema „anarchivieren“: Darin steckt das Archiv als Institution, die etwas bewahrt – und damit immer auch anderes für nicht bewahrenswert erklärt und ausschließt; darin steckt auch das Archivieren als Tätigkeit des Sammelns und Ordnens und es beinhaltet die Anarchie, die Abwesenheit von Herrschaft, die vielleicht erst Neuordnungen ermöglicht und dabei – wie der historische Anarchismus – die Selbstorganisation betont.
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